Manchmal, wenn die finanzielle Situation schon am Monatsanfang miserabel ist, macht man sich als Freier Journalist seine Gedanken: Über die Zukunft, das Leben, den Job und ob man was falsch gemacht hat- bei alldem. Ich habe fünf Jahre Literatur und Kunst studiert und einen so bravorösen Abschluss hingelegt, dass der Dekan extra persönlich vorbeigekommen ist, um mir die Hand zu schütteln. Warum er mich ständig Frollein Mönig nannte, ist mir bis heute zwar schleierhaft, aber egal.
Nach dem Studium habe ich mir die Welt angeschaut und Ecken gesehen, die so schön sind, dass man sie fast nicht erträgt. Zurück in Berlin staubte ich in den staatlichen Museen der Hauptstadt als Kunsthistorikerin 6 Monate für 6,50€ die Stunde kleine Pimmel großer griechischer Statuen ab und flog raus, weil mir einer davon versehentlich abbrach. Dann machte ich etliche unbezahlte Praktika bei Vereinen, die gern so tun als ob, aber eigentlich (sic!) von der Materie wenig Ahnung haben.
Einmal bin ich in einer alt eingesessenen Westberliner PR-Agentur gelandet. An meinem ersten Tag führte mich der Chef der Firma erst rum und dann vor, in dem er mich bis Dienstschluss zum Archive Entstauben schickte. In dem Archiv waren viele Akten von und über Stars, ich entdeckte sogar eine alte aus den frühen Siebzigern über Klaus Kinski, die ich mir vorsichtshalber „sicherte“. Der Chef rauchte unentwegt Zigarre und kommandierte das ganze Team, einschließlich seiner Familie, die auch in dem Unternehmen angestellt war. „Wir haben uns auf Home-Storys spezialisiert. Guck’, hier haben wir die Bonnie Tyler in Oxford besucht und morgen werden wir mal versuchen, der Wenke Myhre ein paar Geheimnisse zu entlocken“, hat er geprahlt.
Ich hielt in dem Laden drei Tage durch und wechselte anschließend zu Ulla Kock am Brink, die mir beibrachte, dass die meisten Medien lügen und sie ihrer Ex-Kumpeline Sabine Christianssen den Mann überhaupt nicht ausgespannt habe, sondern dass die Liebe sich einfach nur ihren Weg bahnte, wofür sie aber nichts könne und sowieso, in der Liebe gäbe es keine Verbote. Man könnte die Geschichte ewig weiter erzählen, aber ein Blog ist hierfür kein geeignetes Medium.
Es ist jedenfalls so, dass ich- wie man sieht- immer noch schreibe, obwohl ich die ganze Schose manchmal an den Nagel hängen wollte. Mittlerweile erarbeite ich mir die Piepen für die Miete unter anderem mit dem Schreiben von Erotikmeldungen. Hier mal ein kleines Beispiel.

Kurz und knackig sollen die Erotikmeldungen sein und vor allem dem Leser gefallen. Jawohl. … Und heiß machen solllen sie, inspirieren und animieren. Ich habe schon das ein oder andere Mal überlegt, zwischen die Meldungen heimlich ein Foto von mir einzufügen, sodass meine Fresse binnen von Minuten ganz Deutschland kennt. Fakt ist, dass den Teletext täglich Millionen Menschen lesen und die Erotikmeldungen sind die meist gelesenen überhaupt, sagt der CvD. Wenn mein Puppengesichtchen also jeder kennt, ist das ein Bonus, durch den man ziemlich coole und lukrative Jobs an Land ziehen könnte, wie Zapp mit dem Artikel: Nebenverdienste: Wie Fernsehmoderatoren ihre Prominenz vermarkten jetzt offenbarte.
Da ist zum Beispiel der Journalist Peter Hahne, der für einen Vortrag nebenbei und auf die Schnelle 10000 Tacken absahnt oder die kühle Blonde, Petra Gerster, die für ein bisschen Laber Rababer 14000 Euro einkrallt. Da frage ich mich: Was soll das für ein Vortrag sein, den die Frau Gerster so gut halten muss, dass man ihr hinterher ein Haufen Piepen in den guten Peek & Cloppenburg-Blazer steckt? Huhu! Ich machs Euch für die Hälfte!
Dann gibt es prominente Journalisten die auf Tagungen von Energiekonzernen rumtanzen, mal was ins Mikro sagen, schön grinsen und hinterher mit 8500€ mehr in der Tasche in die nächste Kneipe einkehren. Ich würde nach so einem Energie-Vortrag sogar Podiumsdiskussionen anregen, wenn die Auftritte so üppig honoriert sind. Also: Es darf sich bei mir gemeldet werden!
Ansonsten empfehle ich, in den nächsten Tagen Obacht zu geben! Es könnte passieren, dass mein leicht desillusioniertes Antlitz plötzlich und unerwartet, aber adrett in Rüschenbluse und Puffärmel über die Mattscheibe flimmert und mir kurz darauf etliche Unternehmen die Bude einrennen. Bis dahin heißt es für mich: Immer schön im Schreibfluss bleiben!