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Nicht die Welt wird immer blöder, sondern die Leute. Manchmal überlege ich, ob es nicht besser wäre, mir sone Halskrause zu besorgen, die ich morgens sicherheitshalber anlege, bevor ich das Haus verlasse. Denn es kann bestimmt passieren, dass einem vom vielen Kopfschütteln selbiger schon mal vom Hals fliegen könnte. Ist ja irgendwann keine Spannkraft mehr drin!

Dämlack der Woche: Easyjet. Die Fluggesellschaft hat sich nämlich ein paar mittelprächtige Models aus Hintertupfingen besorgt und ihnen gesagt, dass sie sich für Modefotos ruhig am Berliner Holocaust-Mahnmal auspellen dürfen. Haben die Models sich natürlich nicht zweimal sagen lassen! Erstens gibt’s Kohle, zweitens landen die Modefotos im hauseigenen Bordmagazin und drittens wissen die Spargel-Janes sowieso nicht, wozu die Stelen überhaupt da sind.  Jetzt gibt’s natürlich mächtig Tam Tam und Easyjet muss sich für die Bildchen entschuldigen. «Die Ausgaben wurden sofort eingestampft», sagte eine überbezahlte Laberbacke der Firma. Eine Genehmigung für das Shooting gab es übrigens auch nicht. „Die Stiftung erteile nur solchen Projekten eine Dreh- oder Fotogenehmigung, die einen inhaltlichen Bezug zum Denkmal haben», heißt es. Da fragt man sich, ob den Oberheinis von Easyjet  durch die Vielfliegerei nicht schon sämtliche Synapsen durchgeknallt sind, dass sie auf solche Ideen kommen.

In den nächsten Wochen habe ich zu tun. Ich muss endlich mal an dem Buch weiterarbeiten und wer weiß, was es heißt so ein Exemplar zu schreiben, weiß auch, dass mit dem fertig geschriebenen Buch die Arbeit erst beginnt.

Man schreibt und klingelt Verlage an und schleimt sich bei den Miezen im Vorzimmer ein: „Hörn’se mal Frau Erika, ich habe da ein ganz tolles Manuskript, dass ich Ihnen gern mal schicken würde!“ Weil Frau Erika meistens schon bis Mittag dutzende dieser Klinkenputz-Anrufe hinter sich hat, tüftle ich gerade an einem eigenen, ganz neuen Konzept, wie ich der Dame mein Exposé schmackhaft machen könnte. Auch gute Bücher müssen – genauso wie die schlechten –  erstmal an den Mann bzw. Frau Erika gebracht werden. Das Zauberwort heißt m.E. schlicht: Überzeugen!

Vielleicht mache es so wie Frank Abagnale jr. in „Catch me if you can“: Direkt hinlatschen, mit nem Goldkettchen vor Frau Erikas Nase rumfuchteln und fragen, ob sie das Schmuckstück gerade verloren hat. Mal gucken, was passiert. Ansonsten halte ich in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten natürlich meine Leser mit sensationellen Fotos bei Laune. Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack…

Herbst? Pffff…

Meine Vorweihnachtsstimmung ist plötzlich in die nicht verfugten Dielen meines Wohnzimmers geflutscht. Schwupp weg warse! Mal gucken, ob die Temperaturen heute noch höher klettern, als ich gerade meine Hemdsärmel gekrempelt habe. Hallo? In 4 Wochen ist Weihnachten! Am besten ich skype mal wieder mit M. und frage, ob sie mir nicht mein Boogyboard schicken kann. Vorher ziehe ich aber erstmal die Wollstrümpfe aus, hole mir ein Eis, höre den Vögeln beim Zwitschern und den Blumen beim Wachsen zu.

Und wehe mir kommt gleich einer mit Klimawandel und versaut mir die Sommer-laune! Den tunke ich eigenhändig mit dem Kopf ins nächste Spatzennest. Dass mir dann keiner sagt, ich hätte ihn nicht gewarnt.

… So und jetzt Stiefel in Schrank und Turnschuhe raus. Aber pronto.

 

  

Neulich habe ich mal über Krankheiten in meinem Freundeskreis nachgedacht. Im Grunde haben alle einen an der Waffel, der eine mehr, der andere weniger. Ich meine nicht die Krankheit, die in Deutschland gerade in aller Munde ist, sondern die vielen kleinen Dinge, die mit der Zeit so lange hochgepuscht und verschlimmbessert wurden, bis sie sich zu einer Macke ausgebreitet haben, die – würde man sie therapieren lassen – dem Therapeuten den Weihnachtswunsch eines Jaguars schon Ostern erfüllen könnte.

Heutzutage gibts alle möglichen Volkskrankheiten, an die man sich erstens schon längst gewöhnt hat, die  zweitens nicht mehr stören und die man, drittens, vermutlich vermissen würde, wenn sie nicht mehr wären. Ich weiß nicht genau, welche und vor allem wie viele Krankheiten davon allein auf mein Konto gehen, aber bei genauerer Betrachtung wird es schon die ein oder andere sein, mit der es sich, ganz nebenbei, vorzüglich leben lässt. Sicher ist Hypochondrie vielen ein Begriff. Der Hypochonder ist der eingebildete Kranke. Hat er einen Schnupfen, googelt er das Ganze erstmal nach und vergewissert sich, dass es wirklich nur ein Schnupfen und kein Krebsleiden ist.

Ich wohnte ja lange in einer WG. Was ich dort immer komisch fand war, dass Jonas nur bestimmte Sachen in die Waschmaschine steckte. In unserer WG sammelten wir die Wäsche quer Beet und hauten den ganzen, bunten Haufen in die Trommel zum gemeinsamen Waschgang bei 60 Grad. Da Jonas oft nicht da war, auch wenn er behauptete: „Maschine mach’ ich heute!“, blieb das Aufhängen der Wäsche meist an uns kleben. Jedenfalls füllten seine Klamotten stets ein Dreiviertel des Wäscheständers. Er besaß 5 Jeans, 22 Socken, 11 T-Shirts, 2 Jogginghosen und das ein oder andere Kleidungsstück mehr, dass ich nicht erwähne, weil es der Dramaturgie des Textes schaden würde. Was jedoch nie von Jonas in der Wäsche war, waren seine Unterhosen. „Vielleicht hat der ja keine“, vermutete C., aber ich verneinte, denn ich hatte ihn schon in Boxershorts über den Flur huschen sehen. Es konnte so viele Gründe geben, warum uns der Anblick der frisch gewaschenen Jonas-Unterhosen verwehrt blieb, das Blöde war nur, das uns kein plausibler einfiel.

Es war d a s Thema, wir beobachteten Jonas, wenn er ins Bett ging, C. meinte, ihn im Waschsalon gesehen zu haben, andere sagten, er trage 1-Tages-Slips und haut die Shorts dann in den Müll… Aber statt Jonas einfach zu fragen, schielten wir in zerrissene Tetra-Packs zwischen Kartoffenschalen und Butterdosen. Konnte ja sein, dass er die Shorts dort unauffällig verschwinden ließ. Jonas war schließlich ein ausgekochtes Schlitzohr und das ist mein Stichwort. (Mensch, jetzt habe ich gerade noch die Kurve gekriegt, fast hätte ich mich schon wieder verquatscht.) Eines Tages kam er mit 2 Herdplatten aus seinem Zimmer und schmiss sie in den Eimer, anschließend rief er direkt bei Otto an und bestellte zwei Neue. Wir gingen zum Angriff über. „Wofür brauchst du denn die Dinger, wir haben doch ’nen Herd“, fragten wir und Jonas wunderte sich, dass wir nie mitbekamen, was in seinem Zimmer feucht fröhlich vor sich hinköchelte. Er kochte, aus Angst vor Bakterien, seine Unterwäsche wie einst Oma im Kochtopf bei 10 Millionen Grad! Wenn die Scheiben seines Zimmers beschlagen waren, (und das waren sie oft!) lag das nicht an der Leidenschaft, die sich dahinter abspielte, sondern daran, dass Jonas mit großem Holzlöffel vor den Herdplatten saß und seine Schlüppis auskochte. Irgendwann wurde den Platten der ständige Betrieb zuviel und sie gaben den Geist auf. Wer also demnächst mal wieder beschlagene Fenster sieht, sollte nicht gleich ein leidenschaftliches Tête-à-tête vermuten, das kann nämlich entweder Jonas oder was vollkommen anderes sein!

Morgen: C’s. Knopfleisten-Phobie.

Jonas Like, Foto: Samuel Hodge

von allem ein bisschen

Vielleicht hat es was mit der Jahreszeit zu tun, vielleicht liegt es an einem selbst, vielleicht ist es auch was ganz anderes: Aber in letzter Zeit frage ich mich öfter, ob ich noch bloggen sollte, was das Ganze überhaupt bringt, ob man all das aus Lust und Laune macht, es nur ein Hobby ist oder eine Form des Ausdrucks, vielleicht ein Muss, eine Verpflichtung, Leidenschaft, Zwang, Wille, innere Unruhe, Hummeln im Hintern… Nichts von allem oder von allem ein bisschen?

„Du schreibst ja neuerdings so selten auf deinem Blog!“, sagt der eine, der andere rät, aufzuhören und was Eigenes, Besseres, Sinnvolleres zu machen, ein dritter meint, wer zuviel (über sich) bloggt, verliert sein Gesicht. Daraufhin habe ich heute Morgen in alle Spiegel meiner Wohnung geschaut und festgestellt, dass es noch da ist.  Schwein gehabt!

Bloggen

Ein Fußballspieler hat sich umgebracht, ein Sportler, der unter Depressionen litt. Er hat sich auf die Gleise gestellt und auf den Zug gewartet. Dem deutschen Qualitätsjournalismus ist es zu verdanken, dass alle schnell erfahren haben,  dass Robert Enke schon seit 2003 in therapeutischer Behandlung war und seine Depression in Schüben kam. Aha. Er hat sich offiziell nie anmerken lassen, wenn es ihm nicht gut ging. Er war ein Mann wie ein Baum, oft ein Lächeln im Gesicht, für andere da. Wie es hinter der Fassade und im Inneren des Torwarts aussah, wussten die wenigsten. Das konnte ja keiner ahnen und wenn – sind sich alle einig –  hätte man ihm sicherlich helfen und ihn mehr unterstützen können…

Was Enke an Informationen zu wenig geliefert hat, wird jetzt – nach seinem Tod – von den Medien nachgeholt. An die Öffentlichkeit gelangt alles, was gefunden wird, schließlich will man ja wissen, was Enke für ein Mensch gewesen ist, wie er lebte und was er machte, wenn er nicht im Tor stand. [„Hier hat er gewohnt, hier ist er zur Schule gegangen, hier hat er trainiert, hier ist er gestorben.“]  Was zu seinen Lebzeiten zwei Schlagzeilen einbrachte, ist jetzt hundert Schlagzeilen wert, auch wenn man dafür ein bisschen in den eingestaubten Archiven rumkramen muss. Dient ja der guten Sache. Dient der Information. 

Die Sender überschlagen sich im Sekundentakt mit neuen Meldungen; was der eine noch nicht weiß, hat der andere schon im Programm. Reporter lungern vor dem Stadion rum, sprechen mit Fans, Freunden, Angehörigen. Sie alle eint die gleiche Emotion: Totale Bestürzung.

Manche sind so bestürzt, dass sie ihre Gefühle kaum in Worte fassen können, andere versuchen es erst gar nicht und schweigen lieber oder zünden eine Kerze an. Viele weinen. Inzwischen wissen die meisten, dass der tote Nationaltorwart ein zerrissener Mensch war. Das macht die Tragik noch ein bisschen tragischer.

Auch dass Enke, der erst ein Kind – und dann den Willen zum Leben verlor, seine Traurigkeit unausgesprochen ließ, bestürzt. Reporter berichten, dass sie selbst mit den Tränen kämpfen müssen, weil ihnen die Pressekonferenz von der sie berichten, „ziemlich“ an die Nieren ging. Dazwischen Großaufnahme von Enkes Witwe, Kameraschwenk auf einen fassungslosen und weinenden Oliver Pocher. Bei Pro7 hat man derweil ein paar alte Schulfreunde ausfindig gemacht, um sich ein besseres Bild über den Menschen Robert Enke zu machen. Vielleicht wird man in den nächsten Tagen zu seiner Familie latschen und um ein Exklusiv-Interview bitten; vielleicht wird man ein paar Pillenrezepte finden, in seinem Spint schnüffeln, den Müll durchsuchen und seine Trikots für einen guten Zweck versteigern. Vielleicht wird man wochenlang zu den Gleisen pilgern, auf denen sich der Sportler entschieden hat, dem Leben ‘Auf Wiedersehen’ zu sagen.

Bestimmt aber wird Enke zum tragischen Fußball-Helden. Das aufgebauschte Medien-Szenario, in dem es schon längst nicht mehr um den Fußballer geht, wird in der momentanen Bestürzung mit Anteilnahme und Kondolenz verwechselt. Unter dem Deckmantel der Information wird klick- und medientauglich alles verramscht, was Quote bringt. Am Ende des Tages werden viele mehr über den Toten wissen, als dieser zu Lebzeiten über sich selbst. Ein Trauerspiel.

11.11. 2009

East Side Galery 9.11.2009

Eindrücke, East Side Gallery 9.11.2009

Mächtig Tam Tam an der East Side Gallery schon am Vormittag des 9. November. Dann kam der Regen und auf jeden Tropfen ein Gratulant.

East Side Galery

Besenkammer war gestern

Straussberger Platz, November 09

Die Namen ändern sich. Waikiki-Party, Straussberger Platz, Nov.2009

Ich mach’ in Mode

Hach, die Leute machen ja heutzutage alle irgendwas mit Mode. Entweder sind sie Designer oder angehende Designer oder arbeiten für Designer und wenn das alles nicht zutrifft: Kennen sie Designer oder kennen welche, die Designer kennen. Wer was auf sich hält, hat Ahnung von Mode. Muss sein! Mittlerweile gibt es unzählige Mode-Blogs, auf denen Fashionfreunde täglich ihre “Must Haves“ online stellen und zeigen, was sie so tragen. Ist natürlich irgendwie immer sexy, das Ganze. Klar. Man kann sich auf diesen Modeseiten manchmal ganz schön verlieren und eh man sich versieht, hat man sich drei Stunden lang reingezogen was Mandy aus Mitte oder Natasha aus Soho die Woche über für Fummel durch die Gegend getragen haben.

… Dass mir jetzt ja keiner denkt, dass ich das ironisch meine! Auf keinen Fall! Ich finde es bewundernswert, wie akribisch diese Bloggerinnen sind. Die stellen sich jeden Tag vor die heimische Raufasertapete und drücken auf den Auslöser. …Und worauf es dabei alles ankommt! Bauch rein, Brust raus, leichtes Make-up (man geht ja schließlich zu Chemie und nicht auf die Pirsch!) und so weiter und so fort. Manche stellen ihre Klamotten vor, andere ihr Dekollete oder das neue Prada-Täschchen, das Vattern in Zilòna Gora per Zufall ganz günstig ersteigert hat. Es kommt bei diesen Modegeschichten – wie bei allem – auf die richtige Mischung an. Da mein Interesse an Mode bereits in jungen Jahren, nun – sagen wir mal so – vorhanden war, werde ich auf diesem Blog künftig in unregelmäßigen Zeitabständen ein bisschen – Oma würde sagen: Pep reinbringen. Das Ganze kombiniere ich mit meinen persönlichen Mode-Highlights der Woche. Na, ist das was Feines?

Mode

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