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Ein Zitat der Prinzen, das – wie es scheint – gut auf den derzeit überall hochgelobten Debüt-Roman von Helene Hegemann angewendet werden kann. Hat die Helene bei “Axolotl Roadkill” geschummelt? Waren das gar nicht ihre Gedanken? Sind diese tollen, literarischen Wahnsinns-Sätze nicht auf ihrem Mist gewachsen?  Hat sie sich einfach nur ein bisschen dümmlich angestellt oder zuviel inspirieren lassen? Wer weiß. Aber Plagiatsvorwurf ist ‘ne blöde Sache, da musste, wenn dir dieser gemacht wird, erstmal schlucken! Geschluckt hat die Helene bestimmt auch, als sich der Schlamassel seinen Weg ans Licht bahnte …Und sich artig entschuldigt. Hat die Neue deutsche Literatur ihr Wunderkind schon wieder verloren? Vielleicht sollte ich den Roman, um den so viel Gewese gemacht wird,  schleunigst lesen. Ich hege (kleines Wortspiel) grundsätzlich Misstrauen, wenn ein Buch, das von einem 16-jährigen Mädchen geschrieben wurde, Sätze enthält wie diesen: “Ich hingegen erfreue mich an der von mir perfekt dargestellten Attitüde des arroganten Arschkindes, das mit seiner versnobten Kaputtheit kokettiert und die Kaputtheit seines Umfelds gleich mit entlarvt.” Menschenskind, frage ich mich da, wo hat die Helene nur solche Sätze her? Kann ja keiner ahnen, dass die Antwort „Geklaut” lautet.

 “Plagiatsvorwurf gegen 17-jährige Bestsellerautorin

Der 17-jährigen Autorin des Überraschungs- Bestsellers «Axolotl Roadkill», Helene Hegemann, wird geworfen, von einem anderen Autor abgeschrieben zu haben. Im Kulturblog www.gefuehlskonserve.de wirft Deef Pirmasens der jungen Berlinerin vor, ganze Passagen aus dem im vergangenen Jahr erschienenen Roman «Strobo – Technoprosa aus dem Berghain» des Berliner Bloggers Airen übernommen zu haben. Hegemann entschuldigte sich Pirmasens’ Angaben zufolge kurz darauf. Sie sei «total gedankenlos und egoistisch»gewesen, schrieb sie demnach.

Hegemanns Verlag Ullstein erklärte, er bemühe sich um eine nachträgliche Genehmigung für den Abdruck.”

(Quellen: dpa/ Spreeblick /Deef Pirmasens)

Prolog: „Dieser Winter dauert ungewöhnlich lange. Vielleicht ist er der kälteste seit hundert Jahren. Vielleicht hält er noch zwei Wochen an oder vier oder zwanzig. Aber heute ist es gar nicht mehr so grau, wie in den vergangenen Tagen. Ob es bald Krokusse gibt? Das Schöne ist, dass ich noch kein einziges Mal gestürzt bin. Ja, ich blieb verschont von Frakturen, Verstauchungen und blauen Flecken. Ist das nicht toll? Oh, da vorn, ein kleines Eismeer! Sieht gefährlich aus! Ob ich außen rum gehen sollte? Nein, nein, so glatt wird es schon nicht sein. Ich spaziere da jetzt drüber und sollte ich mich in diesem Winter tatsächlich doch noch aufs Maul packen, dann auf diesen herrlich glitzernden Kristallen!“, sprach ich in Gedanken vor mich hin. Und da war sie: Die Selbsterfüllende Prophezeiung. RUMS!, hat es laut gemacht, bevor der linke Absatz drei Meter weit flog und mein Steißbein gefühlt in dreißigtausend Splitter zerfetzte. Im Krankenwagen stellte ich fest, dass Rossmann geschwindelt hat. Sieht so wasserfeste Wimperntusche aus? Na, ich weiß ja nicht. Aua, ein Steißbeinsplitter! Herr Dr. könnten Sie bitte einen Termin beim Qualitäts-Management für mich vereinbaren? Ich möchte mich beschweren.

Hier herrscht eine Beschiss-Mentalität vom allerfeinsten. Man hat das Gefühl: Jeder bescheißt jeden. Die, die nicht bescheißen, werden beschissen und die, die bescheißen, tun so, als würden sie’s nicht. Ärgerlich. Ich möchte demjenigen, der mich gerade bescheißen will sagen, dass ich ihn durchschaut habe. … Dass ich seinem bösen Spiel nicht auf den Leim gegangen bin, dass er ein böser Bescheißer und kapitalistischer Bösewicht ist und in die Hölle kommt. Aber was mache ich stattdessen? Blöde grinsen.

Ja, doch! Ich grinse. Ich werde beschissen und grinse. Ist das nicht unglaublich? Ist das nicht die Höhe? Ist das nicht der Gipfel der Absurdität? Schreien will man da! Oder sich selber eine scheuern! Aber nein, man lässt es mit sich geschehen, geht weiter und grinst in seinen Anorak. Der Bäcker, vorne an der Ecke, verkauft Brötchen von gestern und meint, gestern wären die noch von heute und somit frisch. Ich kaufe die ollen Brötchen und beiße mir vielleicht die obere Fressreihe wund, aber ja: Grinsen tue ich trotzdem!

Anderes Beispiel: Mein Fotoapparat ist kaputt, Display gebrochen. So ein neues Display kostet 30 Steine. Der Ausbau dauert keine 5 Minuten. Ich latsche also zum Servicecenter, nachdem ich mich genau erkundigt habe, wie was funktioniert und gemacht wird; wie lange also der Ausbau- und anschließend das Zusammenschrauben dauert. Es ist ganz einfach, wirklich ganz einfach. Ich würde es selber machen, wenn ich dürfte, aber dieses Servicecenter verkauft Ersatzteile nur unter der Bedingung, sie selbst einbauen zu dürfen. Na, gut, dann mal los. Dann sollen sie machen.  Aber was sagt mir der geschulte Werkstattheini in seinem Blaumann, als ich mit der Kamera antanze: „Also unser Fachmann braucht für diese knifflige, nicht ganz einfache Angelegenheit mindestens anderthalb Stunden! Das kostet dann natürlich dementsprechend und könnte unter Umständen an den Kaufwert der Kamera herankommen, junge Frau!“ Alles klar.

Da lügt dir einer unverblümt ins Gesicht und du hast keine Wumme parat (T’schuldigung, das meine ich nicht so!), um ihm das Lügen ein für alle Male auszutreiben. Ist das nicht eine unbefriedigende Situation? Bescheißen oder beschissen werden; das ist hier die Frage! Wer nicht bescheißt, wird beschissen! Soll das die Losung sein? Ist das die Maxime?  

Ist es nicht spannend zu lesen, mit was für irrwitzigen Aktionen große Unternehmen versuchen, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wenn er erst mal drinsteckt? Da ist zum Beispiel der Autobauer Toyota, der dermaßen gefuscht und rumgewurschtelt hat, dass man – im direkten Vergleich – dem Schönheitschirurgen von Tatjana Gsell noch die Hand schütteln und ihm vergeben möchte. Dem würde man tatsächlich noch glauben, wenn er sagt: Tut mir leid, dass ich die Tatjana bei der letzten OP ein bisschen verhunzt habe. Das mache ich bei nächsten OP wieder gut!

Toyota-Chef in der Kritik

Wenn nun aber der Toyota-Chef kommt, sich hinstellt, in die Mikros quasselt und sich dafür entschuldigt, das an seinen Karren die Gaspedalen klemmen, dann will man ihm das nicht so richtig abnehmen! Denn: Dem ist das Malheur ja nicht neu, der wusste das! Seit Jahren! Aber jetzt, wo die ganze Schose ans Licht kommt, geht es nur noch um Schadenbegrenzung, Angst vor Imageverlust und kostenloses Lolli-Verteilen bei Rückrufaktionen. Dann entschuldigt man sich in den nächsten Wochen noch mindestens dreimal am Tag und weiter geht’s  in gewohnter Manier. Vielleicht ist es ein bisschen weit hergeholt, den Autobauer Toyota mit dem Schönheitschirurgen von Tatjana zu vergleichen, aber irgendwie machen beide ganz ganz schlechte Arbeit!

Bewundernswerte Frauen

Es gibt Frauen, bei denen ist es immer picco bello aufgeräumt. Wenn sie frühstücken, wischen sie hinterher den Tisch ab und waschen sofort das schmutzige Geschirr. Diese Frauen haben auch sehr saubere, fusselfreie Teppiche, staubfreie Schränke und stets gerade hängende Bilderrahmen an den Wänden. Und natürlich tragen sie zwei zueinander gehörende Socken, weil sie die nach der Wäsche ordentlich sortieren und fachgerecht einräumen. Diese Frauen sind bewundernswert! Sie lächeln sich morgens im Spiegel an und wenn sie an ihrem Haaransatz sehen, dass die Läuse-Chaussee durchkommt, machen sie prompt einen Termin beim Friseur. Sie wirken ausgeglichen und erholt und verbreiten stets das Gefühl gerade aus dem Urlaub zurück zu sein. Bei mir hingegen ist immer Ramba Zamba. Das einzige Gefühl, das ich zu verbreiten scheine, ist Chaos und blankes Entsetzen. Meine Familie, die im schönen Spreewald zu Hause ist, meinte letztens, dass sie sich immer sehr sehr freue, wenn ich zu Besuch komme, aber umso mehr aufatme, wenn ich wieder fahre. Sagt man das? Das sagt man doch nicht! Man darf das vielleicht denken, aber laut sagen? Meine Familie findet: Ja. Da sieht man mal, wie weit es schon gekommen ist. Dieses Unorganisierte begleitet mich, wie ein lästiger Heuschnupfen. Ich könnte niemals jemandes Sekretärin sein! Die von mir verwaltete Buchhaltung würde ihn vermutlich binnen eines Jahres zur Insolvenz zwingen. Mit dem Alter mache ich aber Fortschritte. Es gibt Tage, da finde ich zueinander passende Socken, ohne gesucht zu haben. Ich finde, das ist ein guter Anfang.

Wenn kleine Kinder oder Kinder im Allgemeinen nicht parieren oder quengelig sind, wenden Eltern gern die ein- oder andere Taktik an. Dabei machen sie Versprechungen, um die Kinder zu beruhigen, obgleich sie wissen, dass diese manchmal nicht erfüllbar sind. Die Kinder, noch zu klein, um zu merken, dass sie auf den Arm genommen werden, tun dann natürlich meistens, was Mutti ihnen sagt. Bei mir war das auch so. Wenn ich als kleiner Moppi die Wochenenden bei Oma und Opa verbrachte und es mittags mal wieder ollen Möhreneintopf gab, den ich nicht mochte, hat Oma oft versprochen, dass “morgen den ganzen Tag die Sonne scheint”, wenn ich aufesse. Anfangs habe ich daraufhin mein Süppchen noch ausgelöffelt, denn wenn Oma das sagt, dachte ich, wird’s schon so sein.

Irgendwann hat die Masche natürlich nicht mehr gezogen, spätestens als ich mit aufgepusteten Schwimmärmeln unterm Vordach stand und jämmerlich bläkte, weil es in Strömen goss, zumal mir am Tag zuvor nicht nur Sonne satt, sondern auch Baden mit Opa versprochen wurde. Ich weiß nicht, wie lange und wie oft ich noch mit diversen anderen Versprechen verhonepiepelt worden bin, aber lange kann es nicht gewesen sein!

Eines Tages verkündete Mutti, dass es nun langsam an der Zeit sei, mal schöne Passbilder vom richtigen, echten Fotografen machen zu lassen. Schließlich wollte nicht nur Tante Anni eins für den Goldrahmen, sondern auch die Kindergärtnerin für die Wandzeitung. Der Tag der 1. Passbilder war also gekommen, ich bekam meinen flotten DDR-Pony aufgepeppt und zwei Zöpfe mit merkwürdigen Zopfhaltern, die nicht nur aus heutiger Sicht verdammt russisch aussehen. Das Ensemble: Strickpulli, Latzhose und Bambi-Halskette machten den Gang zum Fotografen zum ostdeutschen Highlight. Beim Fotografen wars kalt! Der Fotograf selbst war auch unterkühlt. Ich glaube, er hat schon oft kleine Kinder fotografiert.

Mutter setzte mich auf einen Hocker vor eine Leinwand, fummelte an meinem Kopf, kämmte noch mal den Pony und holte ein Taschentuch aus der Hosentasche um selbiges mit ihrer Spucke zu befeuchten und mir Mund und Wange abzuwischen. (Die Sache mit der Spucke fand ich immer blöd!) Dann wars soweit. Der Fotograf wollte, dass ich mein Kinn ein wenig höher hebe. Hab’ ich gemacht. Dann wollte er, dass ich ihn direkt anschaue. Hab’ ich auch gemacht. Doch dann beging er einen folgenschweren Fehler: Wenn ich ihm ein hübsches Lächeln schenken würde, sagte er, würde er sich ganz doll freuen und morgen würde dafür zur Belohnung “den ganzen Tag die Sonne scheinen.“ Fatal, fatal. Der Typ lügt wie Oma am Mittagstisch, dachte ich und beschloss, mit dem Lächeln bis zum nächsten Morgen abzuwarten, was natürlich nicht ging, weil da noch andere Kinder geknipst werden wollten. Meine Mutter bettelte mich ein bisschen an, machte Faxen und Metzchen und zog lustige Grimassen. Der Fotograf winkte und fuchtelte und hüpfte wie ein dicker Bär in die Luft. Ich blieb eisern.

Ich kann den Winter nicht leiden! Ich mag weder Schnee, noch Kälte, weder raue Lippen, noch spröde Hände, am wenigsten mag ich, wenn es durch das morsche Beton der Außenwand wie Hulle zieht, während  auf der anderen Seite mein Schlafzimmer ist, in dem ich pennen will. Ich weiß offen gestanden nicht, ob es überhaupt morsches Beton gibt, ist  mir auch wurscht. Jedenfalls zieht es da! Trotz Jalousie. Also bin ich zu Obi gelatscht, habe Tesamoll-Dichtungsbänder gekauft, weil der Obi-Mann diese wärmstens (kleines Wortspiel) empfohlen hat und dichtete damit erstmal die Schlafzimmerfenster ab. “Das sollte eigentlich reichen!”, so mein Berater.  

Freudig legte ich mich daraufhin zurück ins Bett und widmete mich der Lektüre von Simone de Beauvoir- in der steht, dass alle Menschen sterblich sind- als es erneut pfiff, wie eisiger Wind unter Türritzen. Ich bastelte. Ich hämmerte. Ich besorgte mir eine Silikon-Spritzpistole und versiegelte damit jedes Loch, aus dem kalte Luft strömte. Du willst mich frösteln lassen und alle machen, du blödes Loch? Du willst in meinem Schlafzimmer den Macker spielen?  Mit mir nicht!, war mein Kampf-Slogan, bevor ich jede poröse Öffnung, die mir unter die Augen kam wegpustete, wie einen Feind, der mich um meine neue Silikon-Uzi bringen will.

Mittlerweile bin ich Spezialist im Heimhandwerken. Vor meinen Fenstern kleben Pappe- und Styroporplatten. Darüber hängen drei Decken und zwei schräg angenagelte Bretter, damit die Decken besser halten. In der Mitte habe ich fachmännisch einen kleinen Haken angebracht, an dem die Silikon-Wumme hängt, damit ich sie sofort griffbereit habe. Jetzt warte ich. Ich liege auf der Lauer und bin ganz Ohr und sollte es in meinem Schlafzimmer auch nur noch einziges Mal aus dem hintersten Loch pfeifen oder ziehen, werde ich solange suchen, bis ich es finde. …Und dann: Gnade ihm Gott!

 (Ob es diese Silikon-Knarren auch in praktischer Handtaschengröße gibt? Für unterwegs kann das doch ganz nützlich sein, oder?)

Neulich in Kreuzberg

Ich lebte, wie viele Kinder, glücklich in der DDR. Jetzt, wo ich sämtliche Alben digitalisiere, stelle ich zum wiederholten Male fest, dass ich eine coole Familie habe. Mein Vater war früher Maurer, Skatspieler und Philosoph. Er werkelte gern am Schraubstock im Keller und hatte oft schmutzige Hände. Heute sind seine Hände sauber und er ist in Rente; philosophiert aber immer noch. Meine Mutter ist technische Zeichnerin, wollte aber als junge Frau gern Friseurin werden, was man an unseren heißen Frisuren sehen kann. Sowieso schnitten Mütter im Osten ihren Kindern gern die Haare selber und machten aus einem unschuldigen Kinderpony eine sozialistische Zumutung. Mein Bruder war als Kleinkind unheimlich süß und fing erst sehr spät zu sprechen an. Dafür redet er sich heute perfekt aus der Verantwortung raus, dass er mir 500 € schuldet. Neuerdings überlege ich, ob ich als Schuldeneintreiber meine Mutter nachts mit Schere in sein Zimmer schicken sollte.

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