Liebesknochen

Die Menschen haben manchmal merkwürdige Träume. Das wissen wir ja nicht erst seit Sigmund Freud. Träume sind bekanntlich der Spiegel unserer Seele und der beste Beweis dafür, dass wir nicht so fest in unsere Haut eingeschlossen sind wie es scheint. Dieser weise Spruch ist nicht auf meinem Mist gewachsen, er ist von einem Poeten. Und Knut Hamsun hat mal gesagt: Man träumt nicht mehr so schön, wenn man erwachsen ist.

Letzte Nacht träumte ich von einer Straftat.

In meinem Traum laufe durch graue Straßen. Ich habe gute Absichten und freue mich. Ich freue mich die ganze Zeit über. Komisch, denke ich und zweifle, während ich träume. Wenn ich wach bin, freue ich mich nie so. Am Kiosk, vorne an der Kreuzung, kaufe ich mir eine Zeitung, die ich nicht lese. Ich trage sie stattdessen unterm Arm und fühle mich dabei wie früher, als Kind, als ich mit den ausgelesenen Zeitungen meines Vaters stolz durch die Gegend gestapft bin und laut Geschichten vorlas, die nicht drinstanden. Ich – der Geschichtenerzähler, der Welterklärer.

Die Welt in meinem Traum riecht sehr süß und ist von müder Schlichtheit. Die Menschen sitzen in den Cafés vor ihren Laptops und alles um sie herum ist fast makellos, aber doch so entrückt, so hysterisch, so gewöhnlich fremd, dass ich überlege, aufzuwachen oder eine Abkürzung zu nehmen. Am besten übers Land, obschon ich nicht weiß, wo ich genau hin will, mit der Zeitung unter meinem Arm.

Auf dem Lande angekommen, meide ich Straßen und Wege und laufe durch weite Felder. Rapsfelder, Maisfelder, Sonnenblumenfelder. Ich bin ganz allein. Genüsslich beiße ich einen Maiskolben. Aus der Ferne kriecht schwarzer Lärm in meine Ohren und Manteltaschen, ich bin immun dagegen.

Jetzt komme ich an einem kleinen Laden vorbei. Ich frage nicht nach, wie es denn sein kann, dass da ein Laden mitten in einem Sonnenblumenfeld steht. Im Traum ist alles möglich. Freudestrahlend betrete ich mit meiner Zeitung unter dem Arm das Geschäft. Es ist ein Bäcker. Es duftet vanillig und riecht nach Schuld.

“Ich hätte gern einen Liebesknochen”, sage ich.

“Liebesknochen?”, fragt die Frau hinter der Theke und macht ein angewidertes Gesicht, “was soll das sein?”

Ich erkläre es ihr gerade, als ihr plötzlich die Gesichtszüge entgleiten. “Entfernen Sie sich”, sagt sie bestimmt, als sei ich ihr mit der Bestellung von Liebesknochen zu sehr auf die Pelle gerückt.

Ich verstehe sie nicht, ich verstehe ihre Worte nicht, ich verstehe nicht, wieso sie mich nicht versteht. Verdutzt bestelle ich stattdessen ein paar Semmeln. Daraufhin nimmt sie eine Tüte zur Hand und packt die Brötchen ruppig hinein. Ich bezahle passend und verlasse winkend das Geschäft.

Zurück im Feld beiße ich eines der blassen Brötchen. Es ist steinhart. Ich werde jetzt sehr schnell sehr wütend. Die Frau hat mich beschissen. Die Frau hat mich absichtlich beschissen. Dennoch überlege ich, es gut sein zu lassen und weiter durch die Felder zu streifen, als ich feststelle, dass meine Zeitung noch auf ihrer Theke liegt. Und obwohl ich weiß, dass ich sie nicht lese, kehre ich um, um sie zu holen.

Als ich wieder in der Bäckerei stehe, schaut die Frau mich mit entsetztem Gesicht an, meine Zeitung aufgeschlagen in den Händen haltend. Ich frage mich, ob sie mich so anschaut, weil sie etwas Böses über mich gelesen hat, aber ich bin zu aufgeregt, um sie darauf anzusprechen. Und außerdem will ich ihr sagen, dass sie mir alte Brötchen verkauft hat. Uralte, steinharte, blöde Brötchen. Und ja, meine Zeitung hätte ich auch gern zurück. Freundlich aber bestimmt sage ich ihr, dass sie mich beschissen hat. Sie lacht. Ich sage: “Ich will mein Geld zurück oder”… Sie sagt provokant: “oder was?” Ich sage, “oder frische Brötchen. Oder Liebesknochen”.

Sie lacht erneut. Vollkommen irre. Lacht sie mich aus. Und fuchtelt mit meiner Zeitung vor mir herum. Und dann, ohne, dass mein Puls auch nur eine Sekunde über 70 geht, explodiere ich und raube die komplette Bäckerkasse aus. Das Kleingeld in die linke Tasche, die Scheine in die rechte. Nebenbei werfe ich die Theke um. Und balle zornig die Hand zur Faust. Die Frau mit meiner Zeitung erstarrt. Als ich den Bäcker mit der Beute, aber ohne Zeitung verlasse, fängt sie sich und brüllt mir hinterher: “Sie werden nicht entkommen, das wars für Sie, das wars!”

“Das wars für uns alle”, entgegne ich gelangweilt und beiße inbrünstig in einen Liebesknochen, von dem ich nicht weiß, woher ich ihn auf einmal habe. Vanillepudding quillt aus meinen Mundwinkeln. In der Ferne Sirenen.

erschienen in dem Buch: "Auf jeden Fall nichts mit Menschen"

erschienen in dem Buch: “Auf jeden Fall nichts mit Menschen”

Konsum bis zum Tod

Apples dunkles Geheimnis

Der junge Mann sieht direkt in die Kamera. Ein Mal tut er das, dann nie wieder. In seinem Gesicht ist keine Freude, seine Augen sind traurig. Er hat Schmerzen. Er ist 26 Jahre alt. Er hat Leukämie. Der junge Mann ist inzwischen längst tot. Er arbeitete zuvor, wie viele anderer moderner Sklaven in China, in einer Fabrik und ist in diesem Loch krank geworden.

Keine Arbeitsgesetze, keine Rechte, keine Schutzmaßnahmen, keine freien Tage. Der Mann, der für einen Dumpinglohn als Sklave für unsere Welt geschuftet hat, ist von einem Dach gesprungen. Weil er die Schmerzen nicht mehr ertragen konnte und die verfickte Hoffnungslosigkeit seines kurzen, traurigen Lebens. Viele vor ihm sind schon gesprungen, viele nach ihm werden es noch tun. Weil wir die Konsumenten sind! Weil wir gern konsumieren. Weil wir es uns leisten können. Weil uns der Konsum ruhig weiter aus den Ohren quillen kann, auch wenn er uns längst das Hirn und den Arsch verstrahlt und verstopft hat. Weil wir modern sein wollen. Weil wir bequem sind. Weil wir wegsehen. Weil uns Nachdenken anstrengt. Weil wir meinen, dass es uns nichts angeht, wie die Arbeitsbedingungen in Asien sind, einem Land, das so weit weg ist und nicht vor unserer Haustür! Weil wir nicht vier Milliarden verdienen wollen, sondern viereinhalb. Weil wir den Hals nicht vollkriegen. Weil wir so gern das neue I-Phone wollen. Weil es uns, wenn es uns schon nicht egal ist, dass andere mit ihrem Leben für unseren Wohlstand bezahlen, ohnmächtig macht. Und wir Ohnmacht ablehnen. Was kann einer allein schon gegen diese Ungerechtigkeit tun? Was soll ich als Einzelner schon ausrichten?

Vielleicht ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der in einer Sekunde schon wieder verdunstet sein wird, aber ich hoffe, dass sich viele diesen winzig, kleinen Film anschauen. Und nachdenken. Und ihn womöglich wieder vergessen, die Menschen und ihre Schicksale aber nicht.

Gallseife mit pürierter Trauer

Irgendjemand hat mal zu mir gesagt, das mit der Trauer käme immer erst später. Im vergangenen Jahr starb mein Vater. Ich will mich nicht in Details über sein Leben oder seinen Tod verlieren, ich wusste, dass er eines Tages sterben würde, wie wir eben alle eines Tages sterben werden. Hin und wieder habe ich versucht, mich mit dem Tod auseinander zu setzen, aber meist macht man das entweder, wenn man betrunken ist oder nachts, wenn man wach im Bette liegt und nicht einschlafen kann. Und dann durchlebt man in seinen Vorstellungen die dunkelsten Szenen, ein imaginäres, selbst inszeniertes Horrorszenario. Allein der Gedanke, dass ein Elternteil früh sterben könnte, lässt das Herz nervös zucken und die Herzklappen unregelmäßig arbeiten. Irgendwann pennt man über der Grübelei ein und begräbt den Tod mit seinen Träumen.

Bevor mein Vater starb, sagte er, dass er keinen Grabstein wolle, die Grabsteine würden mit der Zeit ohnehin locker und umfallen, und sowieso sei dieses ganzes Gewese um die deutsche Bestattungskultur ein riesengroßes Tohuwabohu, das ihn nerve. Er wünsche sich lediglich, auf einer grünen Wiese beerdigt zu werden, ohne Schnickschnack, ohne Grabstein, ohne Tamtam. Im Herbst würden die Blätter von den müden Bäumen auf ihn fallen und im Winter der Schnee.

Wir beerdigten Vater an einem verregneten Septembertag. Er hatte im September eigentlich immer Geburtstag. Sein Tod liegt jetzt 233 Tage zurück. Und am Sonntag, ja an einem stinknormalen Sonntag ist sie geschehen: die Sache mit der richtigen, tiefen, so fürchterlich tiefen Trauer. Sie hat mich ohne Vorankündigung von hinten gepackt und in den Würgegriff genommen. Nicht mehr losgelassen hat sie mich, ganz so, als wolle sich mich umbringen, dieses heimtückische Mistvieh. Ich war so erschrocken und hatte gleichzeitig so eine Scheißwut auf sie, so eine verdammte Scheißwut. Wenn ich eines in meinem Leben aufs Tiefste hasse – und hassen ist so ein böses Wort – dann ist es Heimtücke.

Mutter sagte: „Morgen gehen wir mal auf den Friedhof und setzen uns auf die Bank vor Vaters Wiese. Sie sieht jetzt prächtig aus, weißt du, alles ist voller Narzissen und Frühblüher. Es sieht dort aus wie in einem wilden Garten.“

Am Abend zuvor dachte ich, dass ich beim Joggen doch schon einmal einen kleinen Abstecher zu Vaters Wiesengrab machen könnte, denn mit Mutter, ich weiß ja wie das ist, kann es von der einen auf die andere Sekunde plötzlich heikel werden. Man muss sich an einem schönen Frühlingstag ja auch nicht gegenseitig voll heulen. Also joggte ich bis zum Friedhof. Laut Anzeige auf dem Schrittezähler sind es von der elterlichen Platte bis zum Friedhofsgatter exakt 4774 Schritte. Japsend streifte ich mir die helle Strickjacke von den Schultern, band mir das Haar neu zusammen und ging durch das kleine gusseiserne Tor, vorbei am Denkmal für den gefallenen sowjetischen Soldaten, vorbei an der Backsteinkapelle, vorbei an dem kleinen Obelisken, dann einmal nach links und nach etwa hundert Metern wieder rechts. Doch dort stand keine Bank! Und dort war auch die Markierung nicht mehr, die ich mir an Vaters Beerdigung extra gemacht hatte. Vaters Wiese war das nicht, Vaters Grab nicht an der Stelle, an der ich es erwartet hatte. Ruhig ging ich zurück zum Friedhofstor. Alles auf Anfang, vorbei am Obelisken, links, wieder rechts. Nichts! Falsch, falsch, beschissen nochmal nicht richtig. Ich merke, wie ich mich zusammenreißen muss, nicht über den kompletten Friedhof zu fluchen.

Inzwischen wird es dunkel. Ich haste durch die einzelnen, verschiedenen Gänge, Grabsteine mit goldener Schrift, kursive Namen, Sütterlin, Selma Morgentau, Hans Zimmermann, Elsa Kümmert, Norbert Blume, hier ruht in Gott, Unvergessen, Anneliese, Elisabeth, Gertrud.

Fluchen. Verdammte Scheiße. Dann Hoffen. Das Ganze immer wieder im Wechsel, da lang, ja, genau, da lang, ich renne, ich jage verirrt durch ein von Grabsteinen gesäumtes Labyrinth, die Bäume werfen längst lange Schatten, sie lachen mich inzwischen aus, diese verfickten Bäume feixen. „da ist sie ja schon wieder“, höre ich sie im Wind zischen, „wie blöd ist die eigentlich, eine Wiese nicht von einer Wiese unterscheiden zu können, hier ist schließlich nicht Père Lachaise, die muss doch besoffen sein…“ Ich lache laut auf. Als könne ich die Bäume damit beeindrucken und sie so spüren lassen, dass ich sie verdammt nochmal hören kann. Dabei heule ich. Ja, ich heule, lächerlich, einfach lächerlich. Der Rotz läuft mir über die Lippen, meine Augen brennen von der verschmierten, billigen Wimperntusche. Vaters Grab ist fort, Vaters Wiese ist fort, Vater ist fort. Mir wird schlecht, richtig schlecht, speiübel, ich kriege keine Luft mehr, meine Nase ist zu, meine Kehle ist zu, ich huste, ich huste mich bestimmt gleich tot. Gekrümmt kotze ich über den kleinen, eingezäunten Komposthaufen. Und beginne nun die gesamte Situation als vollkommen absurd zu empfinden, ich bin lächerlich, dass ich mich verirrt habe, ist schier die Spitze der Lächerlichkeit, was ich hier tue, einfach nur noch jämmerlich lächerlich, der Tod – ein Witz!

Ich lache ihn aus, diesen Scheiß-Tod. Soll er doch kommen und mich holen, ich würde ihm in seine Scheiß-Visage brüllen, was ich von ihm halte. Die Bäume amüsieren sich wieder, der gesamte Friedhof lacht mich jetzt aus, ja, endlich gibt’s hier mal was zu lachen, ich – der dämliche Trottel, der wie ein Blinder im Kreis herumrennt. Meine Gegenwart sorgt anscheinend für gute Stimmung.

Als ich gerade wieder fluchen will, gehe ich zu Boden. Die Trauer hat mir in den Bauch getreten. Wo ist sie? Ich kann sie nicht sehen. So eine Made! Sie zeigt sich nicht. Meine Knie sacken weg, flennend liege ich vor einem fremden, frisch geharkten Grab. Die leicht aufgeworfene Erde riecht gesund. Ich atme jetzt nicht mehr, ich bin ganz ruhig, will vor Schmerz irgendetwas tun, mir die Erde ins heisere Maul stopfen, was weiß ich, irgendetwas tun eben. Nachdem die Trauer mich mundtot gemacht hat, stehe ich benebelt auf und laufe wie ein geprügelter Hund durch die Nacht. Vater ist fort, Vater ist fort, Mutter schläft schon, als ich heimkomme.

Ich gehe ins Bad. In der kleinen Schale auf dem Wachbecken liegt noch immer Vaters Handseife, Gallseife gegen Fahrradschmiere und Flecken, leicht durchsichtig, eine halb medizinische Drogerieseife eben. Sie ist eingetrocknet. Sie war eigentlich schon immer eingetrocknet. Als wäre sie nie benutzt worden. Langsam werde ich wieder großschnäuzig. Jetzt, wo ich wieder zuhause bin und mich sicher fühle, reiße ich in Gedanken gleich wieder meine Gusche auf und will mich mit der Trauer duellieren. Du kannst mich am Arsch lecken, sage ich angriffslustig.

Die verschwitzten Sachen vom Körper streifend, setze ich mich mit Vaters eingetrockneter Gallseife in der Hand in die Wanne und lasse Wasser ein. Die Seife betrachtend, lehne ich mich zurück. Ich finde, sie hat Ähnlichkeit mit Vater. Ihre Oberfläche ist porös, an den Seiten Narben und Furchen, quer durch die Mitte ein langer, tiefer Riss. Er ist so tief, dass man ihn ganz deutlich fühlen kann, ein Graben fast, eine tiefe, aber trockengelegte Wunde. Behutsam seife ich mich ein, die langsamen Bewegungen beruhigen mich, es ist jetzt fast friedlich. Die Seife wird weich und glatt, ihr Duft klettert mir in die Nase, lähmt ein bisschen meinen Geruchsinn. Mir ist das egal, ich rede mir ein, dass der Duft mir Schutz verleiht, während ich mir die nie zuvor so schmerzend empfundene Trauer von den gehetzten Gliedern wasche.

Am nächsten Vormittag sitze ich mit Mutter auf Vaters Wiese. Die Vögel zwitschern in den leisen Baumkronen. Es ist sonnig und warm. Mutter weint wider Erwarten nicht, sie ist vergnügt. Mit einem Male sagt sie: „Diesen Geruch kenne ich doch!“ Und ich sage: „ist die olle Gallseife von Vattern.“ Und Mutter entgegnet daraufhin ein bisschen belehrend: „Du, die is’ aber eigentlich nur für Hände.“ Sie rümpft die Nase und rückt nun näher an mich heran. „Mal im Ernst jetzt, hast du die Seife gefressen oder was?“, fragt sie frech und kichert. Auch ich kichere jetzt und dann prusten wir richtig drauf los. Mitten auf dem Friedhof lachen wir uns über mich stinkenden Stinker kaputt. Wir kommen vom Hundertsten ins Tausendstel und spinnen herum, „Gallseife á la Creme Brulee“, sag ich, „Gallseife an Beelitzer Spargelplatte“, schlägt Mutter vor. Wir kommen auf immer mehr wildere, abgefahrenere Gallseifen-Kreationen. „Gallseife mit Kartoffelpüree, Gallseife mit pürierter Trauer gegen Traurigkeit, Gallseife zum Dessert…“ Dann sagt Mutter, dass Vater unser Verhalten überhaupt nicht witzig gefunden- und uns einen Vogel gezeigt hätte – auf dem Friedhof so herumzugrölen, also ehrlich, das gehört sich nicht. Aber wir können einfach nicht aufhören, wir lachen der Trauer heute mitten ins Gesicht. Als wir gehen, mache ich keine neue Markierung. Ich glaube, ich hab das jetzt begriffen, das mit der Trauer und dem Zulassen. Wenn sie mich das nächste Mal eiskalt erwischt, werde ich sie hereinbitten. Vielleicht biete ich ihr ein kleines Gallseifen-Schnäpschen an. Mal sehen.

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Volker Schlöndorff bleibt sich treu

Von Thomas Stechert

Mit der “Blechtrommel” setzte Volker Schlöndorff 1979 den deutschen Film wieder auf die Landkarte des internationalen Kinos. Anfang der 90er rettete er die deutsche Film-Wiege Babelsberg vor der Schließung. An diesem Montag wird der Literatur-Regisseur 75 Jahre alt.

Hätte sich Volker Schlöndorffs Vater bei der Berufswahl seines Sohnes durchgesetzt, so wäre aus einem der bedeutendsten deutschen Filmemacher ein Arzt oder Anwalt geworden. Nicht, dass der Beruf eines Mediziners oder Rechtsgelehrten nicht erstrebenswert ist, aber diese Entscheidung hätte für den deutschen Film einen enormen kulturellen Verlust bedeutet. Denn Schlöndorff ist weltweit nicht nur einer der angesehensten deutschen Regisseure, sondern auch ein Meister der Verfilmung von literarischen Werken. (Den kompletten Artikel gibt es auf n-tv)

Unvergesslich: David Bennent als Oskar Matzerath. (Foto: imago stock&people)

Unvergesslich: David Bennent als Oskar Matzerath. (Foto: imago stock&people)

Die Lügen des Genossen Ulbricht

Mein Großvater, ich muss schon sagen, der konnte vielleicht tolle Geschichten erzählen! “Die Lügen des Genossen Ulbricht” aus meinem aktuellen Ebook “Auf jeden Fall nichts mit Menschen” ist zum Beispiel eine solche Geschichte. …Und Knast-Geschichten hatte Opa auf Lager, wenn Ihr wüsstet! Hier ist Großvater und eines seiner – in der Familie legendären Urteile – aus dem Jahre 1962. Einer von Opas scheinbaren Lieblingsvergehen war übrigens der Verstoß nach §330 des StGB. Soll ja auf manche Familienmitglieder ganz schrecklich abgefärbt haben, diese Unart, heijeijei…

"Auf jeden Fall nichts mit Menschen" - Die Lügen des Genossen Ulbricht

“Auf jeden Fall nichts mit Menschen” – Die Lügen des Genossen Ulbricht

Zum 20. Todestag von Charles Bukowski: Mehr als Alkohol, Sex und Fäkalliteratur

Von Thomas Stechert

Säufer, Prostituierte, Zocker und Verlierer sind das Rückgrat im Universum des Charles Bukowski. Für die einen ein Gossenpoet, für die anderen ein vulgärer Schreiberling. Doch der US-Schriftsteller ist mehr, als eine schwarz-weiße Projektionsfläche. Er ist ein Spiegel der menschlichen Seele.

Auf den ersten Blick könnte man Henry Charles Bukowski jr. (1920 in Andernach, Deutschland als Heinrich Karl Bukowski geboren) vorwerfen, seine Mitmenschen nicht besonders gemocht zu haben. Und wer könnte es ihm verübeln? Die Charaktere seiner Romane, Erzählungen und Geschichten, allen voran sein alter Ego Henry Chinaski, sind geprägt von Desinteresse, Nihilismus und Selbstzerstörung. Es ist der Rand der Gesellschaft, die Kreaturen in den Schatten, die nur noch in zart-blassen Zuckungen menschliche Züge zu haben scheinen, denen Bukowski seine literarische Aufmerksamkeit lieh.

Ein differenzierter Blick scheint nötig, um in den von Alkohol, Schmuddel-Sex und hässlichen Worten durchtränkten Texten die Schönheit und die Freude am Leben eines Charles Bukowskis zu finden. Einige Leser halten sein Werk für überbewertet, stümperhaft und literarisches Flachwerk. Und sicher würde der am 9. März 1994 verstorbene Schriftsteller diesen Kritikern, dabei leicht an einem Glas nippend, mit lässiger Geste, nickend zustimmen. Denn wenn einer das Licht im Dunkeln sah – dann Charles Bukowski. (Den kompletten Artikel gibt es auf n-tv)
Bukowski, der "Dirty Old Man" der amerikanischen Literatur.

Bukowski, der “Dirty Old Man” der amerikanischen Literatur.

Balsam für die Seele

Meine Güte, ich bin gerade ganz schön geflasht. So viele Leserstimmen, sei es auf neobooks oder auf Amazon – damit habe ich beim besten Willen nicht gerechnet. Ich finds richtig gut, wenn ich Meinungen zum Buch lesen darf, von Leuten, die schreiben, dass ihnen die Geschichten und Anekdoten richtig Lunte gemacht haben. Das ist wahrlich Balsam für die Seele. Mit allem möglichen Gedöns drin, streichelnden Texturen und nem 24 Stunden Feuchtigkeitsfaktor und so.  Jedem, der mich unterstützt hat, möchte ich an dieser Stelle aufrichtig und herzlich DANKESCHÖN sagen. Ihr seid einfach Bombe, Leute. Ich hab deswegen auf dem Foto auch versucht, mal ordentlich anständig zu grinsen, aber ich muss immer wieder feststellen, dass ich nie so richtig gut grinsen kann, jedenfalls nicht so, wie ich will. An mir ist in diesem Leben kein Honigkuchenpferd verloren gegangen. Soviel Einsicht muss sein!

Verena Dittrich Auf jeden Fall nichts mit Menschen