Frau Konopke hat in ihrem Wurscht-Imbiss an der Eberswalderstrasse erst drei Gäste bedient, als die Medien berichteten, dass ein anderer den Hals schon voll hat: George Bush. Wirbelsturm „Gustav“ hat einfach über seinen Kopf entschieden, abzuschwächen und in New Orleans doch nicht so viel Wind zu machen. Dabei hat sich der Schorsch schon so darauf gefreut, in seiner Lieblingsstadt Hände zu schütteln, Stullen zu verteilen, in die Kameras zu lächeln und wieder gut zu machen, was er bei Katrina versäumt hat. Inzwischen wohnen in New Orleans auch viel mehr Leute, die ein bisschen so wie er sind, die gleichen Gedanken haben, den gleichen Patriotismus und denen man auch mal abends in der Gasse begegnen kann, ohne zu erschrecken, weil man sie nämlich gleich sieht, im Finstern. Zahlreiche Spezialtrupps aus dem ganzen Land waren bereits auf dem Weg in die Stadt, um Schäden zu beheben, die nicht gemacht wurden. Hätte „Gustav“, George aber auch vorher spüren lassen können!
In Deutschland wurde ebenfalls ein Unglück knapp vereitelt. Kanzlerin Merkel hat- während ihrer Bildungsreise- am Chemieunterricht von Neunklässlern an einem Gymnasium in Ilmenau teilgenommen und mitten bei der Vorführung einer Redoxreaktion zwei Röhrchen fallen lassen. Alle sind sofort in die Hocke gegangen, aber das Chaos blieb- Jonas und Herr Dubrau sei Dank!- aus. „Was die Schüler so können, ist beeindruckend“, hat die Angela gesagt und die Röhrchen mit dem Flüssigstickstoff wieder ordentlich auf den Tisch des naturwissenschaftlichen Instituts gestellt. Schüler eines anderen Lehrstuhls, und zwar des Max-Planck Instituts in Hamburg, wären an diesem Tag überhaupt nicht d’accord mit einem Besuch Angies gewesen, denn sie hatten selbst alle Hände voll zu tun. Es wurde gerechnet, gerechnet und gerechnet und am Ende fast ein bisschen knapp zur Mittagspause. Dennoch hat man es bis dahin geschafft, neue Berechnungen zum Klimawandel vorzulegen. In Deutschland wird es in den nächsten Jahren immer wärmer! Weil man das bis heute überhaupt noch nicht wusste, ist man richtig froh, so junge engagierte Wissenschaftler im Land zu haben, die obendrein auch herausgefunden haben, dass durch die wärmeren Temperaturen das Waldbrandrisiko erheblich wahnsinnig, besorgniserregend, definitiv, unaufhaltsam steigt und man im Wald nicht kokeln soll und so. Die Forscher fanden zudem heraus, dass es im Herbst bald öfter regnet und das es da auch mal passieren kann, das es Hochwasser gibt. Am wichtigsten, was man herausfand ist, dass durch das vermehrte Gepiesel vom Himmel das Korn auf den Feldern schneller und üppiger wächst und deshalb mit erhöhten Ernteerträgen in der Landwirtschaft zu rechnen ist. Wie sich die zu erwartende gute Ernte auf die Mindestarbeitszeit der Bauern auswirkt, wurde noch nicht berechnet, denn es gab Schweinebraten mit Kartoffelpüree und jeder junge Forscher der in der Mensa speist weiß, dass man bei Gerichten wie diesen, pünktlich zur Essenausgabe erscheinen sollte.
Um beim Rechnen zu bleiben: Die Mitarbeiter bei der Bahn wissen genau wies geht und haben deshalb ein paar Beamte bestochen, die für die Kontrolle von Tarifen zuständig sind, Verzeihung: waren. Nach Angaben der Anklage sollen ein Oberamtsrat sowie ein Regierungsdirektor jahrelang eine Bahncard erhalten haben, mit der sie unbegrenzt kostenlos in der Ersten Klasse fahren konnten. Diese Bahncard habe zuletzt einen Wert von 6000 Öro gehabt. Ein Gesandter der Anklage erklärte, die beiden Beschuldigten hätten die Freifahrten für private Zwecke genutzt. Ja, wofür denn sonst? Das alles interessiert aber nicht mehr bis zum Abend, an dem Torhüter Oli „kahn, sah und siegte“.
Mit tiefen Emotionen, Applaus, etlichen Tränen und einem freiwilligen Blick in Paul Potts Komplett-Guschen-Sanierung, war es für Oli Kahn, Time to say good bye. Er bestritt im Trikot von Bayern München sein letztes Spiel, feierte beim 1:1 gegen die Nationalmannschaft einen würdigen Abschluss seiner Laufbahn und kann sich endlich zurücklehnen und zuschauen, wie die Millionen auf seinem Konto Polonäse tanzen. Vielleicht wird er davon so depressiv, dass er in zehn Jahren aufs Spielfeld zurückkehrt. Die Sonne wurde am 2. September das letzte Mal gesehen, als sie sich in einer Fan-Träne spiegelte.


"Im Schüttelfrost liegt irgendwo in einem Busch mein Puls"...
.....................................................................................
.......................................................