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Archiv für die Kategorie ‘Lyrik’

Heimlichkeiten sind für uns
Süßer Duft von warmen Plätzchen
Rosa Schleifen, kleine Mätzchen
Wir sehen uns mit Kinderaugen
und hülln uns in Geknister
und plötzlich
Ohne das es einer merkt
Vertragen wir einander
wie liebende Geschwister
Wir schmücken Plastik-Tannenbäume
und atmen dreimal aus
als gäbe es kein Morgen
Als könnten wir vor Mitgefühl
dem Nachbarn unsre Seele borgen
Wir halten inne, halten an
Und horchen leise was da kommt
die Welt [...]

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In den frühen Morgenstunden stieß ich auf ein Gedicht zur Finanzkrise, das fälschlicherweise Tucholsky zugeschrieben wurde, aber von Dr. Richard G. Kerschhofer stammt. Unterzeichnet sind die Verse mit Pannonicus, Kerschofers journalistisches Pseudonym. Das Gedicht hätte vielleicht auch von Tucholsky sein können, aber es ist unwichtig, wer es geschrieben hat. Die Verse passen heute wie damals [...]

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Fragen an den lieben Gott

Wo wohnt der liebe Gott?
Dürfen ihn nur Blinde sehn
Nur Taube hören, Irre fühlen
Die mit dem Glauben baden gehn
 

***
Wo ist er?, fragt die Welt in Sorgen
Wo war er gestern, hilft er morgen
Ob er sich wohl zum Schlafe legt
Mit dem, der ein Geheimnis trägt
***
 

Führt er vielleicht Prognosen
Verteilt und mischt er Karten
Weiß er warum die Menschen
viel zu lang [...]

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Narben lecken

Wir hängen am seidenen Faden
die Schlinge um Fesseln und Waden
sehen wir nicht
denn wir sind blind
und klettern auf Halme die unter uns
längst abgebrochen sind
holst du die Ernte
bringst mich heimwärts
zählst meine blauen Flecken
wirst du wenn ich nicht schlafen kann
unverheilte Narben lecken?
Verfall von alten Knochen
die mutig wie zum Trotze
heut morgen noch nach vorne krochen
Du kühler Freund
hörst du die [...]

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Leere Taschen

Wer will Ideen heute noch belohnen
Der Werbefuzzi hat den Kopf verriegelt
Talente werden glatt gebügelt
Ein Hirn verbrennt auf blauen Kohlen
Ein Flehen hinter Milchglasscheiben
Davor verblasste Augenweiden
Der Einen ist die Schminke ausgegangen
Verbummelt stillt sie ihr Verlangen
Rhetorisch stelle ich die Frage:
Wie konserviert man gute Tage?
Der Irrenarzt ist krank und fühlt
sein Mitgefühl ist weichgespült
Wir treten leis’ auf keiner Stelle
Und hören [...]

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Getrennte Wege

Wir waren Kinderfreunde
und lachten über uns
bis du in meinen Spiegel sahst
und plötzlich wusstest, wer du warst

Weiß dein Gesicht
Kunterbunt mein Hoffen
In deinen Augen bin ich dann
ganz ohne Anker abgesoffen

Man gibt sich seitdem zugeknöpft
und geht getrennte Wege
nichts-sagend zu dem Andern
wie die Tiere im Gehege

Laufen wir aneinander vorbei
kennen nicht mehr einander
erinnern uns nur

und suchen manchmal
staubig, still und leise
verschüttet [...]

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