Malochen bis in den Tod

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„Anne Will“ über Altersarmut

Die Angst vor Altersarmut ist berechtigt. Obwohl viele Menschen arbeiten, droht Geringverdienern der Super-GAU. Der Talk bei Anne Will erhitzt die Gemüter – vor allem wegen der verstörenden Ansichten eines Journalisten.

Wer wachen Auges durch deutsche Städte geht, sieht sie überall: alte Menschen. Alte Menschen, die in Mülltonnen nach Pfandflaschen wühlen, Zeitungen verkaufen oder in der Einkaufspassage die Böden putzen. Das Problem an der Misere ist, dass dieses Bild im ersten Moment berechtigterweise allen Grund zur Sorge bietet, im Alter auch so ein Schicksal zu erleiden. Aber schnell redet man sich ein, dass einem das ganz bestimmt nicht passieren wird, schließlich ist man voll berufstätig und zahlt in die Rentenkasse ein. Und genau hier liegt das Problem: Im Nicht-Wahrhaben-Wollen, dass Altersarmut nichts ist, das lediglich Putzfrauen, Bäckereifachgehilfinnen oder Altenpfleger treffen kann, Arbeiter also, die im sogenannten Niedriglohnsektor tätig sind.

 Ein Leben lang malocht – und die Rente liegt nur knapp über Sozialhilfeniveau. Wie kann das sein? Wenn wir im Alter nicht von unserer Rente leben können, hat dann der Sozialstaat versagt? Jener Staat, der mit immer neuen Ideen um die Ecke kommt und vorgibt, stets auch etwas für „den kleinen Mann“ tun zu wollen? Darüber diskutierte Anne Will im Sonntagstalk mit der Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, der Putzfrau Susi Neumann, dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, Marcel Fratzscher, dem Journalisten Rainer Hank und dem Vorsitzenden des Verbands „Die Jungen Unternehmer“, Hubertus Porschen.

„Meine Mädels landen alle in der Altersarmut“

Die Hälfte der Bevölkerung landet, wenn sich nichts ändert, in der Altersarmut, warnt Susanne Neumann. Anne Will möchte von der an Krebs erkrankten Putzfrau wissen, ob sich ihre Rente wenig für sie anfühlt. „Wenn man Miete, Energie und die Unterhaltskosten abzieht, dann ja. Es steigt ja alles! Meine Mädels (Kolleginnen) landen alle in der Altersarmut! Man muss 45 Jahre lang 11,50 Euro verdienen, um nicht in die Grundsicherung zu müssen.“

Journalist Hank, Ressortleiter Wirtschaft bei der FAZ, hat da seine ganz eigene Wahrheit und sieht in Frau Neumanns düsteren Schilderungen lediglich „Einzelschicksale“. So singt er ein Loblieb auf die gescheiterte Riester-Rente. Das Thema Rente, wenn man sich einmal die Sendungen von Anne Will der vergangenen Jahre anschaut, ist immer wieder ein heiß diskutiertes, bei denen oft Politiker mit in der Runde sitzen und erhitzt für die Sichtweise ihrer Partei debattieren. Unterm Strich hat das Ganze aber ungefähr so viel Aussagekraft wie ein unbeschriebenes Blatt Papier.

So ist das in dieser Runde auch mit Hannelore Kraft, die, was die Renten angeht, selbstverständlich noch jede Menge „Handlungsbedarf“ sieht. Nahezu tantig mutet es an, wie sie die Taten ihrer Partei (SPD) lobt, jener Volkspartei, die dafür gesorgt hat, dass befristete Arbeitsverträge nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel geworden sind. Dank SPD sind diese zwischen 2003 und 2013 um mehr als 70 Prozent gestiegen.

Stichwort: Minijobs und Zeitarbeit. Heute hat jeder fünfte Beschäftigte einen Minijob. Wie glaubwürdig ist es da, dass ausgerechnet die SPD sich jetzt für die Renten von Morgen einsetzt, möchte Anne Will wissen. Aber wie man es von Politkern gewohnt ist, schwurbeln diese gern herum und geben auf konkrete Fragen unkonkrete Antworten – die aber immer sehr gewichtig klingen: „Ich möchte ein Gesamtkonzept.“

Zu diesem gehört es anscheinend auch, zumindest, was Frau Krafts Auftritt bei Anne Will betrifft, Gesprächspartnern munter ins Wort zu fallen. Als Hubertus Porschen ihr und ihren Genossinnen und Genossen „politisches Kalkül“, besonders in Wahlkampfzeiten zuspricht, schüttelt sie abfällig den Kopf, als handele es sich bei der Aussage des Unternehmers um die Chuzpe eines Jungspunds, der nicht weiß, wovon er spricht.

Porschen geht Kraft gezielt an

Stattdessen wird berichtet, man werde „soziale Probleme anpacken“ und an „den Themen dranbleiben“. „Frau Kraft, ich habe das Gefühl, Sie wollen das Problem nicht an der Wurzel packen“, versucht Porschen abermals die SPD-Frau aus ihrer Komfortzone zu locken.

Richtig abenteuerlich wird es, als Rainer Hank die Riester-Rente erneut beschwört und sie als eine „gute markwirtschaftliche Reform“ verkaufen will. Dagegen widerspricht Marcel Fratzscher ganz entschieden: „Riester ist gescheitert, sie hilft den falschen Leuten.“ Aber irgendwie scheint der FAZ-Autor in seiner ganz eigenen Welt zu leben. So spricht er unter anderem von „Leuten, die das Privileg haben, 45 Jahre zu arbeiten“ und findet, dass „Arbeit sehr vielen Leuten Sinn gibt“ und obendrein auch nicht mehr so anstrengend wie damals ist. Denn es gibt ja inzwischen jede Menge Roboter.

Am Ende wird noch einmal das Thema Bildung angerissen, von der Fratzscher findet, dass der deutsche Staat immer noch zu wenig in sie investiere. „Deutschland ist eines der ungleichen Länder in der industrialisierten Welt“, sagt er und meint damit vor allem auch die Schere zwischen Arm und Reich – womit die Talkrunde wieder bei Frau Neumann ist, die sich wünscht, „mal wieder auf den Punkt zu kommen“. „Die Sendung hier heißt: Arm im Alter. Ich hab immer malocht! Was habe ich verkehrt gemacht?“ Die Antwort darauf bleibt man ihr schuldig.

Der 2012 verstorbene Volkswirt Roland Baader hat einmal gesagt: „Man hilft den Armen nicht, wenn man dafür sorgt, dass Armut sich lohnt.“ Eine Wahrheit, die die Politik seit Jahren billigend in Kauf nimmt.

Wie viel AfD verträgt die Demokratie?

Maybrit Illner diskutiert mit ihren Gästen über die Schlappen bei den Landtagswahlen. Während Petry sich schon auf die nächsten Wahlen freut, gerät die Runde zur Lobhudelei. Nur einer findet weise Worte – und der ist kein Politiker.

„Diese Wahl hat gezeigt, dass die Bürger die Parteien abgestraft haben“, sagt Frauke Petry und freut sich über die 24,2 Prozent, auf die es ihre Partei in Sachsen-Anhalt gebracht hat. Auf die Frage, ob sie sich als Gewinnerin an diesem Super-Wahlsonntag sieht, sagt sie mit zweifelhafter Bescheidenheit, dass nicht ihre Partei gewonnen hat, sondern die Bürger.

Schon zum zweiten Mal in einer Woche diskutiert Maybrit Illner in einer Spezialausgabe mit ihren Gästen über die aktuelle parteipolitische Landschaft in Deutschland. Nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt will sie wissen, wie und ob die teils hohen Verluste der etablierten Volksparteien zu erklären sind. Erlebt die Kanzlerin in diesen Tagen ihr persönliches Waterloo? Mit dabei dieses Mal: CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, der Chefredakteur der Zeit, Giovanni di Lorenzo sowie die Gewinnerin des Super-Wahlsonntags, die AfD-Parteivorsitzende Frauke Petry.

„Ist die SPD noch eine Volkspartei?“

Obwohl CDU und SPD in den drei Landtagswahlen hohe Verluste erlitten, lobt jeder der Anwesenden eingangs seine Partei und versucht, selbst die peinlichste Schlappe als Sieg zu interpretieren. So sieht Thomas Oppermann zwar ein, dass die SPD in Baden-Württemberg in eine „Polarisierung zwischen den Grünen und der CDU reingeraten“ ist, gleichzeitig betont er aber, dass die Minister seiner Partei „exzellent“ gearbeitet haben, und laudiert den Wahlkampf von Malu Dreyer. Illner, die die SPD anhand der Wahlergebnisse im „freien Fall“ sieht, will wissen, ob Oppermanns Partei überhaupt noch eine Volkspartei ist. „Aber Frau Illner, natürlich ist die SPD eine Volkspartei“, stellt der Politiker lächelnd fest. Ähnlich kämpferisch argumentiert auch Peter Tauber, der Merkel partout nicht als die große Verliererin dieser Wahlen sieht und in seiner Haltung an die drei Musketiere erinnert: „Für die CDU gilt generell: Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen.“

Bevor man der eigenen Wahlschlappe ins Auge blickt, wird munter und fröhlich hin und her gelobt. Lediglich Giovanni di Lorenzo spricht mit Hinblick auf den Erfolg der AfD Tacheles und warnt davor, die Ängste und Sorgen der Bürger länger zu ignorieren. „Diese drei Wahlen haben das Parteiengefüge durcheinandergebracht: „Wir müssen einen Teil der Bevölkerung wieder abholen!“

„Den schnellen Problemhebel gibt es nicht“

Das bedeutet aber auch, dass die Parteien miteinander reden müssen. Aber so richtig reden – vor allem mit der AfD – möchte keiner. Frauke Petry erwähnt mit süffisantem Lächeln, sich schon „auf die nächsten Landtagswahlen zu freuen.“ Tauber, dem nicht entgangen ist, dass wir „außergewöhnliche Zeiten erleben“, wünscht sich, dass die Bürger ruhig mehr über Politik streiten, etwa auch darüber, bei der Lösung eines Problems nicht der Versuchung zu erliegen, nach dem schnellen Hebel zu suchen.“

Einer dieser „schnellen Hebel“ sind auch die Verhandlungen mit der Türkei. „Dieser Regierung darf man nicht die Hand geben“, mahnt di Lorenzo und auch davor, AfD-Wähler nicht ernstzunehmen: „AfD-Wähler sind nicht alles Rechtsextremisten! Sie stellen einige berechtigte Fragen und mit denen müssen wir uns auseinandersetzen.“

Diese Fragen, die den verunsicherten Bürgern unter den Nägeln brennen, lauten unter anderem: Wie soll es in der Flüchtlingskrise weitergehen? Wie sollen wir die vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen integrieren? Und vor allem: Fragen die Parteien sich überhaupt, wie das Volk sich fühlt, wenn es tagtäglich miterlebt, dass die Regierung selbst keine Antwort auf diese Fragen hat? Göring-Eckardt stellt zwar fest, dass das Chaos in der großen Koalition aufhören muss, das Publikum aber applaudiert, als Petry vorschlägt: „Wenn wir massenhafte illegale Einwanderung erleben, müssen wir was an den Gesetzen ändern.“

Ein „Ritt auf der Rasierklinge“

Auf die Frage, ob es die AfD gar nicht mehr gäbe, wenn die Flüchtlingsfrage gelöst werden würde, antwortet Tauber freundlich verunsichert: „Das ist nicht meine Kategorie.“ Aber das es eben genau diese Kategorie ist, die die AfD so stark macht, beweist deren Frontfrau aufs Neue, indem sie abermals in die Einwanderer-Kerbe haut: „Die Gewährung von Asyl von Flüchtlingen ist selbstverständlich. Es kann aber nicht sein, dass alle nach Europa kommen.“ Vor allem die Wirtschaftsflüchtlinge sind ihr ein Dorn im Auge.

„Aber wir können uns die Geflüchteten nun mal nicht aussuchen“, sagt Göring-Eckardt und spricht in Bezug auf den Deal mit der Türkei die Visafreiheit für 70 Millionen Türken an. In diesem vereinfachten Reisen sieht die Grünen-Politikerin nämlich vor allem auch eine Chance: „Dann können die Türken hierherkommen und sehen, wie Demokratie funktioniert“. Petry findet diese Ansicht schlicht: „skandalös“, und Illner nennt eventuelle Abkommen mit Erdogan gar einen „Ritt auf der Rasierklinge“.

Ein Gesamtpaket, das nicht überzeugt

Dass es sich bei der Flüchtlingskrise nicht um eine Schlechtwetterfront handelt, die bald wieder vergeht, scheinen noch immer nicht alle Anwesenden in voller Gänze erkannt zu haben. Deshalb betont di Lorenzo es noch einmal ganz deutlich: „Wir werden das Flüchtlingsproblem nie vollkommen lösen, es werden immer welche kommen.“ Illner will von Tauber wissen, ob die AfD ein Kind der CDU ist, aber der schüttelt mit dem Kopf und sieht die CDU seit „Adenauer als Partei der Mitte“. Doch wen hätte ein konservativer Liberaler wählen sollen, der, erstens, nicht mit Merkels Politik d’accord ist und, zweitens, nicht die AfD wählen möchte? Tauber klingt jetzt fast wie jemand, der zu viel DSDS geguckt hat: „Wenn man die CDU wählt, wählt man immer ein Gesamtpaket“ – ein Gesamtpaket, das wohl nicht alle Wähler restlos überzeugt hat.

Die Flüchtlingskrise spaltet die Gesellschaft

Oppermann attestiert den etablierten Parteien ungewollt ein Armutszeugnis, indem er darüber resümiert, dass „am politischen Rand der Gesellschaft ein Vakuum entstanden“ ist, das bodenständige Konservative heimatlos gemacht hat. Gewiss ist es nicht ganz haltlos, wenn die Politiker sich gegenseitig bestätigen, dass die AfD ihren Wahlerfolg der unkontrollierten Einwanderung zu verdanken hat, doch diese These wirkt bei genauerer Betrachtung zu einfach gestrickt. Einige Bürger fühlen sich von der Politik-Elite nicht wahrgenommen, sie haben das Gefühl, im Angesicht der Flüchtlingskrise hinten runterfallen. Bis auf Giovanni die Lorenzo und Frauke Petry, wenn auch aus verschiedenen Motivationen heraus, scheint kein anderer von Maybrit Illners Gästen sich dieses Problems vollkommen bewusst zu sein. Es gibt keine konkreten Lösungsvorschläge, den Spalt, der in der Frage der Flüchtlingskrise durch die deutsche Gesellschaft geht, zu kitten. Das Ergebnis des Super-Wahlsonntags hat diesen Spalt noch vergrößert. In drei Bundesländern stehen nun komplizierte Koalitionsgespräche auf der Tagesordnung, denn die AfD kann nun nicht mehr einfach so ignoriert werden.

Verena Maria Dittrich

Verena Maria Dittrich schreibt regelmäßig TV-Kritiken. Seit 2013 ist sie freie Autorin bei n-tv.de. 

Age Is Just A Number

Eben in der U-bahn:
Neben mir sitzt ein junges Mädchen, geschorene Haare, lange Wimpern, lange Ohrringe, sie sieht aus wie „Bullit“ aus „The Killing“.
Ihr gegenüber sitzen zwei Typen: „coole Frisen“, „coole Lederjacke“, „cooler Style“.
Sagt der eine zu dem Mädchen: „Schöne Ohrringe, wo hast’n die her?“
„Ja, gefallen Sie Euch, sind aus’m Sonderangebot“, sagt das Mädchen.
„Stehn dir.“
„Danke.“ Bullit schaut leicht beschämt zu Boden. „Ihr seht aber auch cool aus!“
Die Jungs freun sich. Es wird über Berlin, Urlaub und den Döner geredet, den sie gerade isst.
„Und wo willst du jetzt hin?“
„Bin auf dem Weg zur Arbeit“
„Und … was arbeiteste so?“
„Ich bin S*e*x-Arbeiterin“
„Ah ja, ja? Aha. Cool!“
„Ja, ist echt cool! Voll das coole Bordell, super Arbeitszeiten. Macht echt Spaß. Ich bin mein eigener Herr.“
„Wie is’n das jetzt so mit den neuen Bestimmungen?“, wollen die Boys wissen.
„Voll blöd, alle drei Monate muss man zum Idiotentest!“, sagt das Mädchen. „Da wollen die testen, ob man das wirklich aus freien Stücken macht, aber ich war noch nie so frei. Ich hatte noch nie so viel Geld, ich hab ne eigene Wohnung und ein eigenes Pferd. Der geilste Nebenjob der Welt! Einziges Riesenscheißproblem: Das Finanzamt. Die Steuer geht mir echt’n auf’n Sack, die wolln mich ständig fi**en“.
„Kenn‘ wa, kenn‘ wa!“, sagen die Jungs.
Kurz bin ich baff, als alle drei ihr Alter nennen: Achtzehn.
Dann lächeln sie sich zu und wünschen sich einen schönen Tag.
Age is just a number.
Frage: Hätte ich sie warnen müssen, dass Steuerbeef in jedem Alter
„voll uncool“ ist?

‪#‎berlin‬

Age is just an Number

Twitter, Spülmaschinentabs und icke

Liebe Facebook-Freunde, zwei Bitten an Euch, vielleicht wissta ja weiter. Ich bedanke mich schon jetzt vielmals im Voraus. ‪#‎twitter‬, ‪#‎ntv‬, ‪#‎facebook‬, ‪#‎spülmaschine‬, ‪#‎drittezaehne‬, ‪#‎bitte‬, ‪#‎danke‬

„Dann können wir den Laden dichtmachen!“

Raub, Diebstahl, sexuelle Belästigung: Viele Bürger haben seit den Kölner Übergriffen Angst. Wie verlässlich ist die kaputtgesparte Polizei noch? Ein Kriminalhauptkommissar gibt eine düstere Prognose.

Eine alte Dame, die überfallen wird, wählt die 110 und landet – in der Warteschleife. Eine Frau, die eine sexuelle Belästigung anzeigen möchte oder ein Ehepaar, bei dem eingebrochen wurde, werden am Telefon mit den Worten vertröstet: „Kann ’ne halbe Stunde oder auch ’ne Stunde dauern“, bis eine Einsatzkraft vor Ort ist.

Ist dieses Szenario reißerische Schwarzmalerei oder bald schon flächendeckende, knallharte deutsche Realität, weil die Kapazitäten des „normalen“ Streifendienstes zugunsten von Einsätzen in Zusammenhang mit Flüchtlingen, Auffangeinrichtungen und Heimen ausgedünnt sind?

Laut der Aussage eines Streifenpolizisten, der nicht erkannt werden möchte, ist das keine düstere Zukunftsmusik, sondern in einigen Fällen schon gängige Praxis in deutschen Polizeizentralen. Werden wir – die Bürger – uns künftig daran gewöhnen müssen, in einer Warteschleife à la Telekom und Arcor zu stecken, wenn wir den Notruf wählen? Kann der deutsche Staat uns noch beschützen? Wurde die Polizei kaputtgespart? Müssen wir uns daran gewöhnen, morgens, bevor wir aus dem Haus gehen, uns noch einmal zu vergewissern, ob wir auch das Pfefferspray eingesteckt haben? Oder sind all diese Ängste, die uns nach den Silvesterüberfällen in Köln begleiten und stetig wachsen, nur übertriebene Hysterie?

Angst ist im Umgang mit der Flüchtlingskrise kein guter Ratgeber

Diesen Fragen versucht „Hart aber Fair“-Moderator Plasberg mit seinen Gästenauf den Grund zu gehen. Mit dabei: der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach, der Kriminalhauptkommissar Rüdiger Thust, die Kölnerin und Mutter zweier Töchter, Emitis Pohl, der Sozialpädagoge Samy Charchira sowie der Anwalt für Strafrecht Ingo Lindemann, der einen der mutmaßlichen Täter von Köln vertritt.

Schnell fällt an Plasbergs Diskussionsrunde auf, dass im Kernthema, der Ahndung von Straftaten, alle Beteiligten in derselben Ecke stehen. Auch wenn sie dem Motto der Sendung geschuldet in zwei Lager aufgeteilt sind, liegt der Konsens, im Umgang mit Kriminellen aller Couleur, von Anfang an wie eine Decke des Verständnisses über den Gästen. Hinzu kommt, dass jeder auf seine Weise irgendwie recht hat. So wie die Mutter zweier Mädchen, die fordert, dass dringend etwas gegen die Angreifer von Köln getan werden muss, oder der Strafverteidiger Ingo Lindemann, der sagt, das „echte Problem“ liege ganz woanders, nämlich größtenteils in der „Unmöglichkeit, die Täter zu identifizieren“.

Alle sind sich einig, dass Angst im Umgang mit der Flüchtlingskrise und den daraus resultierenden Umständen kein guter Ratgeber ist, dennoch ist sie in deutschen Städten und Kommunen allgegenwärtig und bestimmt das Handeln und Denken vieler Menschen. Aber wie lässt sich diese Angst reell beschreiben oder gar messen? Fakt ist: Seit den Übergriffen in Köln hat sich der Umsatz von Pfeffersprays in Deutschland verdoppelt und die Anträge für den Kleinen Waffenschein stiegen seit den Ereignissen in der Silvesternacht, allein in Köln von 30 im Januar 2015 auf 1209 im Januar 2016.

Die Angst ist da, immer und überall

Emitis Pohl versucht, ihre Angst in Worte zu fassen. So berichtet die Kölnerin, die selbst Migrantin und ein „typisches Kriegskind“ ist, dass Angst inzwischen zu ihrem ständigen Begleiter geworden sei: „Ich habe Angst um meine Töchter, ich hab mir Pfefferspray besorgt, ich halte meine Tasche fest.“ Auf Plasbergs Frage, ob da ihr „Bauch oder ihr Verstand?“ argumentiert, antwortet Pohl: „Beides.“

Auch der Kölner Kommissar Thust bestätigt die diffusen Angstgefühle der Mutter. Das äußere sich nicht nur dadurch, dass sich junge Frauen nachts nicht mehr allein vor die Tür trauen, sondern auch dadurch, dass „Portemonnaies nicht mehr in die Gesäßtasche gesteckt werden, sondern nach vorne“.

Die Angst ist da, immer und überall. Es ist die Angst, überfallen, beklaut, ausgeraubt oder sexuell belästigt zu werden. Aber ist die Flüchtlingswelle ein Turbolader für diese Ängste, will Plasberg wissen. Und was kann der Staat, was kann die Gesellschaft tun, um den Bürgern diese Ängste zu nehmen?

„Das staatliche Gewaltmonopol ist unantastbar“

Für Kriminalkommissar Thust wie für Bosbach ist in erster Linie eine Bestandsaufnahme wichtig. Man muss die Probleme beim Namen nennen dürfen, ohne dafür gleich in eine „falsche Ecke“ gedrängt zu werden. Der Beamte erläutert: In Bezug auf die kriminellen Delikte in Köln sind „die Nordafrikaner ein Problem“. Und das bleiben sie auch dann noch, wenn der Sozialpädagoge Charchira eindringlich vor „Instrumentalisierungen“ warnt.Ja, es gibt in Deutschland immer mehr Bürgerwehren. Ja, das Gewaltpotenzial in unserer Gesellschaft ist rasant gestiegen. Und, nein, wir dürfen die „Flüchtlingsfrage nicht auf dem Rücken von Minderheiten austragen“. Aber was soll der Bürger tun, wenn er sich von unserem Rechtsstaat nicht mehr ausreichend beschützt fühlt? Liegt es da nicht auf der Hand, dass er versucht, sich selbst zu beschützen?

Auch hier appelliert Lindemann erneut, dass „Angst kein guter Ratgeber“ ist, und warnt vor Bürgern, die auf eigene Faust für Recht und Ordnung sorgen wollen. Der Strafverteidiger, der einen „Marokkaner“ und mutmaßlichen „Taschendieb“ verteidigt, sagt: „Das staatliche Gewaltmonopol ist unantastbar“ und darf nicht in bürgerliche Hände, sprich Privatpersonen gelegt werden. Diebstähle und Wohnungseinbrüche habe es immer schon gegeben, sei es nun durch osteuropäische Einbrecherbanden oder andere Kriminelle. „Dass wir damit leben müssen, bedeutet nicht, dass wir uns auch damit abfinden müssen“, schüttelt Bosbach daraufhin ärgerlich den Kopf.

„Ich kann nicht in Bagdad anrufen und mich nach dem Namen erkundigen!“

Es ist lächerlich, nicht sehen zu wollen, wie überlastet die Polizei und andere staatliche Behörden mit der zurzeit herrschenden Situation sind. Die Beamten sind nicht nur am Rande ihrer Kapazitäten, sie sind größtenteils schon darüber hinaus. Und vielleicht wäre es ein erster Schritt in die richtige Richtung, wenn die Politiker die Sorgen und Nöte ihrer Angestellten glaubhaft zur Kenntnis nehmen würden und Personalengpässe nicht mehr mit vorübergehenden Sparmaßnahmen kleingeredet werden.

Man sollte den Beamten glauben, wenn sie sagen: Wir wissen einfach nicht mehr weiter! Thust findet da noch spitzere Worte: „Wenn der Bürger nicht mehr von der Polizei bedient werden kann, dann können wir den Laden dichtmachen!“

Wie soll man die Identität eines auf frischer Tat ertappten Diebes ermitteln, wenn er keinen Pass bei sich trägt? Also illegal in Deutschland ist. „Ich kann ja schließlich nicht in Bagdad anrufen und mich nach dem Namen erkundigen!“, so die Aussage eines Polizeibeamten aus Kiel, jener Stadt, die für Fälle, in denen sich eine Täter-Ermittlung im Flüchtlingsumfeld nicht lohnt, extra einen angeblichen und später dementierten Leitfaden erfunden hat.

Täterbeschreibung: Ali Baba und die vierzig Räuber

Frau Pohl zieht einen etwas ungünstigen Vergleich und wandelt für einige Sekunden auf dem rhetorischen Pfad des tschechischen Staatspräsidenten Miloš Zema, als sie den in Deutschland zum Fischen benötigten Angelschein, illegalen Einwanderern ohne gültigen Pass oder Papiere gegenüberstellt.

Bosbach bringt es besser auf den Punkt: „Wir als Bundesrepublik Deutschland müssen wissen, wer in unser Land kommt.“ Plasberg hakt nach: „Ist es denn die Bringschuld der Flüchtlinge, alle Papiere dabei zu haben?“

Und genau das ist des Pudels Kern: nicht zu wissen, wer in unserem Land ist. Nicht die Möglichkeit zu haben, straffällig gewordene Personen konsequent in ihre Heimatländer zurückzuführen. Wie soll man einen verurteilten Verbrecher abschieben, dessen Nationalität nicht bekannt ist? Als Täterbeschreibung kann ja schlecht „Ali Baba und die vierzig Räuber“ in dem Verhaftungsprotokoll stehen, stellt Kriminalist Thust unverblümt klar. Der Anwalt untermauert die Aussage des Polizisten: „Der Rechtsstaat kostet eben seinen Preis.“

Doch der Jurist sieht ein weiteres Problem darin, dass viele dieser jungen Männer, seien sie nun aus Algerien, Marokko oder Tunesien, bei uns nur „auf der Durchreise“ sind. Sie stehlen und begehen Einbrüche, werden verhaftet, sitzen ein und werden wieder aus der Haft entlassen – doch sie besitzen keine gültigen Papiere, „und deswegen können sie nicht abgeschoben werden!“.

Volle Polizeikeller und leergeklaute Lidl

Jeder zweite Zuwanderer, der einmal erwischt wurde, wird wieder straffällig. Woran liegt das? Lindemann hat auch darauf eine Antwort: „Weil sie wissen, dass ihre Asylanträge nicht anerkannt werden. Sobald sie ihre Identität preisgeben, sind sie weg! Das wissen die!“ Aber ist die Situation wirklich so ausweglos? Oder liegt es auch daran, dass „diese Leute“ sich gar nicht integrieren wollen?

Auch Pohl stellt sich diese Frage und bestätigt damit Thusts alltägliche Polizeiarbeit. Der Beamte berichtet davon, dass der „Polizeikeller jeden Morgen mit acht bis neun Straftätern“ mit Migrationshintergrund voll sei, alle mit einem „absoluten Gewaltpotenzial und unter Drogeneinfluss“.

Natürlich, und da sind sich Plasbergs Gäste einig, werde das zunehmend unsichere Gefühl der Angst auch durch das Internet, insbesondere in den sozialen Netzwerken, extrem geschürt. Komplett leergeklaute Lidl sind noch harmlos gegen Horrorberichte, in denen von Flüchtlingen die Rede ist, die in Zoos einbrechen und Ziegen schlachten sollen.

Die Vorfälle in Köln haben die Gesellschaft wachgerüttelt, stellt die Diskussionsrunde fest, doch es lauern viele ungelöste Probleme unter dem Deckmantel des merkelschen Aussitzens. Viele Bürger fühlen sich mit ihren Sorgen von der Politik aus Berlin allein gelassen. Lindemann zieht eine beunruhigende Konsequenz: „Zwischen Wachrütteln und Hysterie liegt nur ein schmaler Grat, und wir sind gerade dabei, diesen zu verlassen.

(erschienen am 02.02.2016 auf DIE WELT)

Decemeber sky

Ich muss mich entschuldigen, ich habe ein neues Handy. Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass mir diese Dinger gänzlich schnuppe sind und ich die meistens aushabe. Wegen der Strahlung und so. Aber ich hab neuerdings oft’n bisschen Schiss, nachts mit meiner Karre auf dem Seitenstreifen der Autobahn stehenzubleiben und dann nicht zu wissen, in welche Richtung ich mich schleichen muss, um eines dieser Telefone zu erreichen, mit denen man den Abschnittsbevollmächtigten anbimmeln kann, weil ich selber nämlich keins habe. Also, das ist eigentlich (sic!) der Hauptgrund. Nun habe ich, andere mögen darüber lachen, entdeckt, dass ich nicht nur eine Kamera an diesem Handy habe, sondern auch so ein Bildbearbeitungsfiltergedöns, mit denen sich die Bilder aufhübschen lassen. Für mich eine halb neue Welt, mit der ich gerade meine begrenzte Freizeit verjuble. Jetzt stehe ich ständig vor meinem Fenster und fotografiere den Himmel über Berlin. Es ist schlümm! Als hätte ich sonst nüscht zu tun!blau1

Aber das Tolle daran, haltet Euch fest, auch meine Facebook-Freunde sind von meinen Knipsereien inspiriert. Die sehen sogar Potential für ein neues Album-Cover. Ich singe die Texte natürlich selbst ein, klar! Muss nur noch die richtige App finden, die meinen Gesang adelegleich umwandelt. Bald bin ich in den Charts, wetten?

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Dank an Sascha! Der Meister der Album-Cover

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Eine Ode an die Macht

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Hach ja, das muss man ja auch mal loswerden: Dieses Star-Wars-Ding macht ganz schön den Geldbeutel schlank, vor allem von denjenigen, die so richtig dicke, fette und auch ein bisschen durchgeknallte Fans sind. Ich kenne einen solchen Fan. Aber ich bin froh, dass er sich fernab der Manie und des Hypes,  Fragen stellt, die vielen unangenehm sind, Fragen wie:

Wie viel Lohn bekommt eigentlich ein Arbeiter in einer Fabrik in China, die Plastikfiguren von Darth Vader herstellt? Oder eine Näherin in einem Zulieferbetrieb in Bangladesch, der T-Shirts mit dem neuen „Star Wars“-Logo „The Force Awakens“ produziert? Die dunkle Seite der Macht ist allgegenwärtiger, als es die meisten von uns wahrhaben wollen!

Den ganzen, wirklich sehr lesenswerten Artikel mit vielen Hintergrundinfos könnt Ihr hier nachlesen.