Nobel geht die Welt zugrunde

Neulich sagt Gesa zu mir: „Wozu brauchen wir denn ne teure Kaffeemaschine? Ne einfache reicht doch vollkommen aus!“ Sie sollte natürlich nach was aussehen, die Kaffeemaschine, zumindest ein bisschen. Am coolsten wäre, wenn die billige Kaffeemaschine aussieht, wie eine teure“, sagt sie. Und noch cooler wäre eine weiße Kaffeemaschine, denn: „Weiß“ – so Gesa- „ist das neue Schwarz“. Damals in der Zone und kurz nach der Maueröffnung war alles schwarz, die Möbel waren schwarz, die Fernsehtischchen, die Klamotten sowieso, und meistens auch der Himmel. Und wenn man kein schwarzes Möbelstück in der Wohnung stehen hatte, war das irgendwie doof und nicht zeitgemäß. Also ist man zu Toom (is’n Baumarkt) gerannt und hat sich so blöde schwarze Klebefolie geholt um die Möbel selbst zu verkleiden. Da war vor dem Bekleben immer ein Heidenalarm zu Hause angesagt, der eine konnte es besser, weil er es schon mal gemacht hat, der andere hatte eine Idee für die präzisere Technik und Mutti hatte Tipps, wie unter der Folie keine Luftblasen durch die mühselige Kleberei zurückbleiben. Kurioserweise hatten meistens alle Unrecht, die Blasen waren immer zu sehen, die Klebe-Technik war die Gleiche: Es gab keine (!) und am schlimmsten wurde es, wenn man schon die Hälfte des Schranks beklebt hat und kurz vorm Ziel feststellte, dass das Ganze entweder zu kurz ist oder schief oder- am allerschlimmsten- nicht reicht und gestückelt werden musste. Manchen ist das Prozedere irgendwann zu anstrengend geworden, die haben die ganze Schose einfach gelassen wie sie war und auf die klebefoliefreie Stelle Kippenschachteln gelegt oder Zimmerpflanzen gestellt. Man musste sich nur zu helfen wissen und das lernte man im Osten früh.

Zurück zur Kaffeemaschine: Wir brauchten eine und Gesa schlug ein Modell von Cloer vor, obwohl die Firma keine Sau kannte, geschweige denn jemand zuvor von ihr gehört hatte. Macht nix, diese Kaffeemaschine sollte es sein und überhaupt hat die ja ursprünglich auch mal das Doppelte gekostet, „ist so schön weiß“ und machte einen ziemlich teuren oder wie Gesa sagte, „noblen Eindruck“. Wir kauften die Kaffeemaschine, sie vergilbte in sechsunddreißig Stunden, der Ein- und Ausschalter war nach einer Woche im Arsch, die Heizplatte funktionierte nur noch halb und auch sonst war mit der noblen Kaffeemaschine nicht allzu viel los. Zurückbringen ging nicht. Gesa hatte den Kassenzettel verschlampt. Die Tage vergingen und es sprach selten einer über die noble weiße Kaffeemaschine, obwohl alle dasselbe dachten. Irgendwann hatte die Geduld ein Ende. Heraus kam folgender Ist-Zustand:

Super!

 

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