Kurt Beck ist ein Bommelträger

Es war noch nicht 10 Uhr, als Oma Henning feststellte, dass Opa verschwunden war. Sie wollte an diesem Tag pünktlich zu SPAR und anschließend mit Opa zum Arzt Dr. med. Neureuter, gucken ob alles in Ordnung ist. Aber Opa Hennings Latschen standen ordentlich im Flur. Seitdem er in „Uschis Kneipe“ wieder paffen darf, „lohnt sich der Frühschoppen wieder“, wird Opa später sagen, aber das konnte ja die Frau Henning zu diesem Zeitpunkt nicht wissen. Indes vertrieb sie sich die Zeit fast allein zu Hause und ließ sich von Schwester Steffi die neue Hartz 4 Studie vorlesen. „Nach den gegenwärtigen Hartz-IV-Sätzen gibt es für einen Erwachsenen elf Euro am Tag – und zwar für alle Kosten, die anfallen, außer Mietkosten. Alle Kosten, das heißt Essen, Klamotten, Limo und Wein, Bahnkosten, Telefon und ne Tasse Kaffee zwischendurch, las Steffi laut vor und meinte, dass sie mit den Piepen nicht länger als drei Tage über die Runden käme.

Die aktuelle Hartz-IV-Studie hat ein Finanzprofessor der Uni Karl Marx Stadt gemacht. Der meint, dass ein Regelsatz von 132 Euro im Monat ausreichend wäre. Soso. „Dieser Professor hat einen Riss in der Schüssel. Für seine Studie gehört der zum Arzt“, sagte Oma Henning und überlegte, ob sie für den Professor schon mal einen Termin bei Dr. Neureuter machen soll.

Der an grippalem Infekt leidende Kurt Beck wird auch zum Arzt gehen, jetzt wo er wieder mehr Zeit- und die SPD-Spitze sich überraschend neu formiert hat. Münte ist zurückgekehrt und gilt nun offiziell als Parteivorsitzender der SPD. Böse Zungen prognostizierten Beck bereits vor Wochen, dass es Ärger gäbe, aber nein, Kurti wollte ja nicht hören und beging, auch das muss mal gesagt werden, nicht nur parteininterne Faux Pas, sondern vor allem modische. Weiße Socken mit blauem Rand in schwarzen Bommel-Slippern tragen eine Mitschuld am Rückttritt des überzeugten Vokuhila-Trägers Beck von der SPD-Spitze. Aber das will der Kurt nicht wahrhaben und rechnet mit Berlin bitterböse ab. Von Vertrauensbruch und Fehlinformationen an die Medien ist die Rede, aber kein einziges Wort zu den schlimmen Slippern von Deichmann. Hätte er mal auf Ypsilanti gehört, denn die zeigt ihm wies geht und marschierte heute flinken Fußes auf flacher Sohle zur Fraktion der Linkspartei und kasperte schon mal Termine für die nächsten Treffen ab. Das heutige sei in „konstruktiver Atmosphäre verlaufen“, sagte Ypsilanti, bevor sie sich heimlich nach Kurtis Schuhgröße erkundigte.

Die Sonne wurde am 09. September das letzte Mal gesehen, als Oma Henning ihren Mann erst in die Arme schloss und dann schimpfte, weil er „schlimmer wie ein Iltis“ stank. „Als“, berichtigte Opa, „schlimmer als, genauso wie“. Beide aßen beim letzten Sonnenstrahl gemütlich Soljanka. Selbstgemacht.

Advertisements