Wir sind Kommune 2

Wohngemeinschaften. In Wohngemeinschaften, das soll das Wort wohl implizieren, lebt man gemeinsam. Weil man es will. Weil es sich anbietet. Weil man manchmal auch nichts besseres findet, oder nicht das Geld für eine eigene Wohnung reicht. In Wohngemeinschaften ist man selten allein. Man pflegt soziale Kontakte und baut neue Freundschaften auf und wenn man eine zeitlang allein gelebt hat und gesellschaftlich ein bisschen zuviel Abstand hatte, dann bietet sich eine Wohngemeinschaft an, um diesen Abstand aufzuholen, das Manko, nicht mehr auf Leute zugehen zu können, weil man es im Laufe der Zeit verlernt hat, auszugleichen. Ja, auszugleichen. Plötzlich ist da jemand neben dir und hört deinen Atem, wenn du schläfst oder du seinen, obwohl eine Wand dazwischen ist oder auch zwei. Plötzlich sind morgens wieder frische Brötchen auf dem Tisch und Aufstrich, obwohl du nichts von beidem besorgt hast.

Wenn du dich in deinem Schlafanzughöschen in unbezogenen Kissen umdrehst, um in alte Träume zu sinken, an die du dich bis mittag nicht mehr erinnern wirst, steht längst frischer Kaffee in der Küche, dessen Duft unter deine Türritze klettert, um dich weich zu wecken. Und wenn du aufstehst und ins Bad gehst, dann musst du in einer WG warten. Denn die Tür ist meistens verriegelt. Aber plötzlich, obwohl man eigentlich (sic!) dringend pinkeln muss, stört das nicht mehr. Denn endlich ist man nicht mehr allein. Endlich klappern wieder Teller, morgens halb fünf. Endlich stöhnt wieder jemand neben dir, leise, ganz leise. Endlich hörst du wieder laute Musik. Du siehst fremde Leute im Flur und es macht dir nichts aus, dass sie in dein Zimmer sehen. Du denkst nicht mehr, dass sie was entdecken könnten, was ihnen mehr über dich verrät. Nachts kannst du nicht schlafen, aber vermeidest hartnäckig, die guten Oropax für 4,99 in deine Ohren zu stopfen, denn das Lauschen ist dir lieber. Morgens bummelst du in den leeren Quadratmetern herum und suchst in den Zimmern der anderen manchmal heimlich Kleingeld, obwohl du weißt, dass da keins ist.

Heute hat einer aus der WG die Zeitung geholt. Das wundert dich, denn es wurde keine aboniert, aber manchmal klaut man auch aus fremdem Briefkästen. Was ist schon dabei? Was ist schon dabei? Man kann die Zeitung gelesen zurückbringen und malt ein Gesicht drauf. Ein freundliches. Sollte der Nachbar wider Erwarten schimpfen, kann man ihm immer noch ein Stückchen Pizza anbieten. Oder so.

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