Berlin-Neuköln ist ein Eldorado

Gesa: „Guck doch mal bei Kijiji, die haben alles! Da ist bestimmt was für dich dabei!“
V.: „ Ich will aber nicht bei Kijiji gucken, ich will es zurück! Ich will, das es wieder dort steht, wo es gestanden hat. Es soll, wenn ich morgen früh in die Ossiarkaden fahre, genau so an die Laterne gelehnt sein, wie noch bis gestern Abend.“

Gesa: „Jetzt sei doch nicht so pessimistisch! Dann ist es eben weg. Guck doch erst mal in der Börse. Wirst sehen, die haben sogar schönere als deins. Und sowieso: Deins war nicht mal schön, wieso heulst du überhaupt so rum?“

V.: „Na hör mal Gesa, es hatte einen emotionalen Wert für mich. Einen emotionalen! Versteht du das? Mein Muttikörbchen ist auch weg. Wenn ich mir vorstelle, dass es jetzt irgendwo auf einem fremden Hinterhof steht oder so ein Breitarsch drauf sitzt und vielleicht noch seinen stinkenden Schoß-Köter in mein Muttikörbchen packt, dann…Klar war es nicht schön, aber es war meins. Und es ging!
Gesa: „Fuhr“
V.: „Fährt“
Gesa: „Mit einem anderen“

Die Wut über den Fahrradklau wich der Trauer und diese wiederum animierte mich und Gesa zu einer Schwarzfahrt nach Neuköln, dem Fahrrad-Eldorado der deutschen Hauptstadt. Wir landeten erst in der Prinzenstrasse, anschließend fast in der Ankerklause und letztlich in Pawels Fahrradkeller. Der Geheimtipp war finster, es roch nach Gummi und Abgasen und ein bisschen nach Gras. Mehr als 100 Räder drückten sich auf 50 qm die Schläuche platt. Wir hatten die Wahl zwischen Hollandrad ohne Rechnung und Mountainbike mit Rechnung für Kette, Katzenauge und Schlauch. Ob er auch was Älteres aus dem Osten hätte, fragte ich Pawel und wie es das Schicksal wollte, lernten wir uns 2 Minuten später kennen: Mein neues fünfzigjähriges DDR-Muttirad, dessen Bremse nur Attrappe ist, aber Klingel funktioniert und ich. Es ist auch nur ein bisschen mehr verrostet, als mein geklautes. … Wo ich wohne, fragte Pawel, als ich mit dem neuen Rad und Gesa auf dem Gepäckträger losfuhr und rief uns auf meine Antwort hinterher, dass er in der Ecke Berlins noch nie gewesen sei.

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