Wir sind Klops-Kinder

Morgens schreit der Körper als erstes nach Kaffee. Man schlurft in die Küche, Pulver in den Filter, Wasser in die Maschine, durchlaufen lassen, Warten. Währenddessen krabbelt man zurück in warme Kissen, schaltet die Snooze-Taste aus, das Radio ein und kann schon gegen Viertel nach Acht die ersten 100.000€ gewinnen.

Es ist immer das gleiche belanglose Gelabere, Geblubbere und Gedudel und obwohl man nie wirklich hinhört, schaltet man ein. Jeden Morgen aufs Neue. Vielleicht, weil es dazugehört, vielleicht weil man sich daran gewöhnt hat, vielleicht weil es sonst zu leise ist und Gefahr besteht, wieder einzuschlafen. Vielleicht macht man es auch nur, weil man die Stille nicht erträgt.

Der erste Kaffee nimmt den Streichhölzern untern den Liedern die Last und schießt die noch müden Synapsen zum Frühsport. Jeden Morgen gibt es: Zwei Tassen Kaffee, aufgewärmte Brötchen mit Marmelade und manchmal Ei. Immer runterschlingen – meistens in der U-Bahn.

… Und dann Mittagessen. Was ist das? Mittags gibt es selten was Warmes. Keine Zeit. Man huscht zwischen zwei U-Bahnstationen zu LeCrobac oder in einen dieser schrecklichen Läden die man hasst, auch weil man weiß, dass die Mitarbeiter verheizt werden, wie Burger. Aber man hat doch keine Zeit und es muss schnell gehen und schließlich, ja schließlich ist man selbst schuld, weil man sich das Kochen bei Mutti nie abgeguckt hat. Man hat nicht gelernt, wie man einen Braten macht oder gute Gerichte, wie es sie früher an jedem Wochenende gab.

Als Kinder liebten wir Königsberger Klopse. Wir sortierten zwar die Kapern an den Tellerrand, aber die Klopse waren immer ruckzuck verputzt.

„Ich vermisse Muttis Essen“ schrieb ich letztens mit Kreide an die Tafel in unserer WG-Küche. Als ich heute heimkam, stand dies auf dem Küchentisch:

k1

Die WG hat gekocht. Königsberger Klopse. Für mich.

Von Erasco.

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