Daten her! oder: Es knallt.

Neues von Gesa:

Heute Morgen, während sich die WG zum Frühschoppen in Schale schmiss, las ich in der Zeitung schon wieder was von Datenklau und ahnte, dass sich Dieter und Gesa über den Artikel freuen. Dort stand, dass von Tausenden Kunden der Berliner Landesbank die Kreditkartendaten ausgespäht, – und deren Konten vielleicht komplett leergeräumt wurden. Ja, so oder so ähnlich stand das da. Gesa, die auch Kundin dieser Bank ist, wäre verschont geblieben. Denn bei Gesa, die schon seit Monatsbeginn knietief im Dispo steckt, gibt es nichts zu klauen. In dem Artikel stand auch, dass dieser Skandal unglaublich wäre und alles in den Schatten stellt, aber- genau wie die vorherigen Datenklauereien- einzigartig sei. Da haben wir aber Schwein gehabt, dass solche Pannen „einmalig“ sind und nur alle drei Wochen passieren! „Auf die Telekom dürfen wir diesmal aber nicht schon wieder schimpfen, sonst machen die wirklich kurzen Prozess!“, sagt Dieter, der seit 3 Monaten keine Telefon-Rechnung mehr bezahlt hat und uns fragt, ob wir schon gehört hätten, „dass auf dem Schwarzmarkt die Bankverbindungen von Millionen Bürgern im Umlauf sind.“ „Natürlich nicht, sonst würden wir wohl kaum jeden Sonntag-Nachmittag auf dem Flohmarkt rumhängen und alten Scheiß verscherbeln“, meinte Gesa.

Birne fragte daraufhin, ob Dieter wüsste, „wo dieser Schwarzmarkt denn genau wäre“ aber das wusste er nicht. Man könnte sich dort unter das handelnde Volk mischen, von Bude zu Bude spazieren und ein paar Bankverbindungen kaufen, wenn man wüsste wo sich der Markt befindet, überlegten wir laut. „So teuer können die Daten ja nicht sein, wenn die geklaut sind!“, waren wir uns einig. Wir stellten uns vor, das der nächste Schwarzmarkt gleich um die Ecke wäre und wir für billig Geld ein paar Kontonummern und Pins erspähen und darunter rein zufällig auch Funkes Daten wären. Vielleicht ist es ja diese Weihnachten so, dass man seinen Liebsten keine Socken mehr, sondern Daten schenkt. Vorbei die Zeiten, in denen man Heiligabend auf den letzten Pfiff Geschenke- und aus purer Verzweiflung Palmolive- und Cleopatra-Duschbad an der Tanke besorgt, weil die Sachen dort erstens so schön verpackt- und zweitens die Geschäfte seit Stunden dicht sind. Mit dem Verlust seiner Kontodaten würde auch endlich mal der chronische Nichts-zu-verbergen-Haber- Funke merken, wie es ist, wenn Unbefugte mit den eigenen Daten rumhantieren. Im Grunde ist diese Datenklaugeschichte aber ein alter Schuh und wundert keinen von uns. Hat die Schlamperei bei staatlichen und Stasi- quasi-staatlichen Stellen nicht schon längst System? Man bedenke, dass sogar das Einwohnermeldeamt, trotz expliziter Ablehnung des Betroffenen, Adressdaten an die GEZ weiterleitet.

Huch! Was ist denn jetzt? Eben stand hier doch noch Text! Klauen die jetzt auch schon halbe Kolumnen? Vermutlich bin ich auf was ganz Heißes gestoßen. Habe ich gerade den nächsten Datenskandal aufgedeckt? Vielleicht gefällt es denen da oben nicht, wenn man zu laut sagt, dass es sich um ein politisches Problem handelt und unser Staat ein oller, aggressiver Datensammler ist und wir eine Flut von Schnüffelei- Gesetzen erleben müssen, dass es keinen mehr wundert, wenn diese Daten auch woanders missbraucht werden. Und jetzt ist auch noch meine halbe Kolumne verschwunden. Aber warum? Weil ich zwei Sätze über Schäuble geschrieben habe? Also bitte!

Momentchen, es klingelt gerade. Wer ist das um diese Uhrzeit? … Nicht, dass mir jetzt das SEK auf die Pelle rückt.

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