Immer schön persönlich bleiben

Mindestens einmal im Jahr feiert der Mensch Geburtstag. Es gibt auch welche, die feiern jeden Tag: Bei denen ist rund um die Uhr Party, Stimmung und Konfetti angesagt. Und dann gibt es noch diejenigen, die was Schlimmes durchgemacht oder überstanden haben, sich anschließend wie neu geboren fühlen und zweimal im Jahr die Kerzen auspusten. Als Geburtstagskind bekommt man, wenn man Glück hat, Geschenke. Ein Trugschluss, denn hier beginnt das Problem: Zeige mir, was du mir schenkst und ich sage dir, was du von mir hältst, heißt die Devise. Vielleicht ist das ein bisschen dick aufgetragen, aber der Satz hat durchaus seine Berechtigung, wenn man sich mal überlegt, was jahrein, jahraus an Mist auf dem Gabentisch landet. Jeder kann ein Liedchen davon singen, die wenigsten machen es.

Am schlimmsten sind alte und schlechte Bücher von Freunden mit neuer, aber auch schlechter Widmung. (Letztes Jahr hieß ich- laut Widmung- Constanze. Und einmal bedankte sich einer ganz persönlich für die schöne gemeinsame Zeit. Bei genauem Hinsehen konnte man die fast verschwundenen Worte: in Florenz lesen. Leider war ich noch nie in Florenz, aber den Stadtführer fand ich trotzdem cool.) Bücherschenken kommt eigentlich (sic!) immer gut und ist eine feine Sache, aber wenn man die Freunde ewig kennt, deren Blumen gegossen hat, während sie in Urlaub waren und das künftige Geburtstagsgeschenk schon monatelang vorher im Regal stehen gesehen hat, ist das irgendwie, vorsichtig ausgerückt: Fürn Arsch.

Vielleicht hat man das Geschenk beim Staubwischen sogar schon in den Händen gehalten und ein paar Seiten überflogen und bereits damals den Kopf geschüttelt und nicht verstanden, wie man sich so einen Kram ins gute Billy-Regal stellen, geschweige denn lesen kann.

Hier muss man aber unterscheiden, denn es gibt unzählige Bücher, die so toll und begehrt sind, dass man sie im Handel nicht mehr kaufen kann und deshalb das eigene, geliebte Exemplar zum Verschenken herhalten muss. Da hört man Sätze wie: „Mensch, das musst du unbedingt lesen. Erste Sahne, bis zum letzten Wort spannend erzählt. Das Buch ist vergriffen, ich gebe dir meins“. Das ist toll und diese Bücher meine ich auch nicht.

Ich meine die Bücher, die man mal von Tante Käthe oder Onkel Horst geschenkt bekommen hat und mit denen man nicht das Geringste anfangen kann. Was macht man also damit? Genau: Weiterschenken. Aber muss man sich dafür unbedingt die besten Freunde aussuchen? Mandy sagt sich: Bevor ich das Buch mit dem Knallernamen: „Schlechter Sex ist besser als gar keiner“ in die nächste Tonne kloppe, verschenke ich es lieber und schreibe einfach noch was Persönliches wie: “Häppie Börsdai, ich hoffe, die Lektüre befriedigt. Olwäis häppie Sex wünscht deine Mandy.“ Da denke ich mir: Entweder muss Mandy mich abgrundtief hassen oder lange nicht ge *PIEP* t worden sein.

Es gibt auch Geschenke, die gut gemeint sind, wie: Kaffeemaschinen, Bewerbungsmappen, Socken oder Duschbad. Neulich, das war dufte, bekam ich von L. zum Geburtstag ein Duschbad des Klamottenherstellers Tommy Hilfiger. Ich fragte: Wieso schenkst du mir denn ausgerechnet ein Duschbad? Und warum eins von Tommy Hilfiger? Riecht das gut? Was Duftendes von Dönerteller Versace hätte möglicherweise eher gepasst, oder? Als L. mir den Gedanken mitteilte, der für die Wahl des Geschenkes entscheidend war, wäre ich fast nach hinten umgekippt, blieb aber mit offenem Mund stehen. L. verteidigte sich wie folgt: „Ähm, ich dachte: Schenkste ihr zur Abwechslung mal was Persönliches. Schließlich heißt ihr neuer Freund mit Vorname genauso wie das Waschzeug.“ Das ist meine persönliche Krönung!, dachte ich und soff zwei Gläser Schampus auf Ex.

Falls es jemanden interessiert. Ich habe noch eine Tante 3. Grades in Spanien. Der Kontakt ist in den letzten Jahren zwar etwas eingeschlafen, aber ich mag sie wirklich sehr, die Tante. Sie trägt den ursprünglichsten aller spanischen Frauenvornamen und heißt tatsächlich Mercedes. Nur mal so als Idee für das nächste Mal, wenn es wieder heißt: Ich schenk’ dir was nach Namen. Was Persönliches.

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