Hier ist doch auch schön!

Jedes Jahr- Mitte Januar- das gleiche Gefühl. Jedes Jahr die gleiche Sehnsucht, das gleiche Fernweh, die gleiche Lust, die Koffer zu packen und Berlin die kalte Schulter zu zeigen.

…Und jedes Jahr auch immer der gleiche Gedanke: Hier ist doch auch schön. Schön kalt. Während ich mit zu glatten Sohlen über die vereisten Wege der Frankfurter Allee wie über Eier gehe und die Absätze im Matsch und Dreck der Stadt versinken, wünsche ich mich immer weg, woanders hin, ins Warme. Ich denke an unser kleines Kaffee mit den großen Fenstern, in dem du jedes Mal wenn wir da waren das Gleiche bestellt hast, Omelett. In den Manteltaschen ballen sich die Hände zu Fäusten und greifen in Gedanken schon zur Pfeffermühle. „Für mich bitte keinen Pfeffer!“, hast du  gesagt und nie bemerkt, dass ich die Mühle trotzdem gedreht habe, wenn du nicht hingeschaut hast.kaffee-mit-ausblick-blog1

Im Januar in Berlin ist das alles so weit weg, aber im Grunde, ja im Grunde, nur einen Katzensprung entfernt, wenn mans nicht so genau nimmt. Ich muss den Kragen hochstellen, der Wind bläst mir ins Dekollete. Und wieder keinen Schal heute! Schon aus Prinzip!, denk ich und muss husten. Dort vorn, ein Reisebüro. Und keiner drin. Ich werde buchen. Neuseeland. Im Januar, 25 Grad. Dann werde ich mich auf den Steg legen, die Augen schließen, das Meer riechen, die Arme ausstrecken und wieder die Hände ballen, nur das sie dann nicht in krümeligen Manteltaschen stecken, zusammen mit altem Hundetrockenfutter.steg-blog-1

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