und morgens Vicky Leandros

Es soll Leute geben, die an Wochenenden arbeiten müssen, 5 Uhr morgens aufstehen, ohne zu murren, aufrecht den Gang ins Bad antreten und kalt duschen, anschließend im Schlafzimmer die Fenster öffnen, die Bettdecke ausschütteln und zum Lüften auf dem Sims liegenlassen, während sie die Laken glatt streichen. Leute, die ohne Emotionalität Punkt 6 das Haus verlassen und 12 Stunden später immer noch schwungvoll zurückkehren. Zu diesen Leuten gehöre ich nicht. Nur eine Frühschicht pro Woche und ich hab‘ die Faxen schon dicke. Nach so einer Frühschicht denke ich oft, mich unbedingt belohnen zu müssen. …Fängt schon nach dem Aufwachen an, dass ich die Bettdecke an den Enden verschließe, als bestünde die minimale Chance, dass die Wärme erhalten bliebe, bis ich wieder reinkrieche. bett

 (Foto: lolitas.se)

… Und abends – zur Belohnung- gibt’s Karottenkuchen im Bett, Gesangsshows in der Glotze und Pinotage auf dem Nachttisch. Manchmal kommt es vor, dass man irgendwo hängen bleibt, bei Carmen Nebel im ZDF zum Beispiel. Hätte ich mir bis gestern auch nicht vorstellen können, dass ich minutenlang zuschaue, wie Frau Nebel ihren Gästen Honig ums Maul schmiert und nicht merkt, wie diese schamdurchpulst peinlich berührt sind, aber natürlich trotzdem grinsen. Müssen sie, sind ja im Fernsehen.

…Und dann passierte etwas in der Show von Carmen Nebel, was mich- ich kann es nicht anders beschreiben- aus tiefem Herzen entzückte: Der Auftritt von Vicky Leandros. Die Frau Leandros haut mich normalerweise nicht vom Trapez, aber ihr neues Album aus der Feder von Xavier Naidoo klingt in meinen Ohren, wie Karottenkuchen mit Schlagsahne schmeckt: Großartig. Mit Vicky im Ohr ist auch das frühe Aufstehen plötzlich weniger unangenehm. Ja, doch! Die Texte sind Poesie, prägen sich schnell ein und lassen sich prima in Zahnbürsten oder diverse Sprayflaschen singen.

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