Zeitumstellung mit Bolski

bolski

Foto: unbekannt

Bolski lehnt sich zurück, legt die Hände hinter den Kopf und schnauft. Vor ihm auf dem Tisch: Entenbraten, i-Phone, Fernbedienung. Sonntags arbeiten, wo jeder normale Mensch bis mittags pennt, findet Bolski nicht gut. Er ist müde, die Zeitumstellung macht ihm zu schaffen.

Langsam steht er auf und schaut aus dem Fenster um zu prüfen, ob es wirklich schon 9 Uhr ist, denn für Bolski fühlt es sich an, wie mitten in der Nacht. Heute Morgen hat er sich extra den Wecker gestellt, aber trotzdem verschlafen. „Nicht weiter tragisch, am Wochenende ist sowieso nichts los“ , sagt der Journalist und greift in die Schips-Tüte, die vor ihm liegt. Er fährt den Rechner hoch und geht erstmal Zähne putzen, weil er das in der Eile und der ganzen Hektik und so, zuhause nicht mehr geschafft hat.

Als Bolski – süßlich herb deodoriert – von der Morgentoilette in die Redaktion zurückkommt, setzt er sich wieder an seinen Schreibtisch, lehnt sich zurück, legt die Hände hinter den Kopf und schnauft. Jetzt geschmeidig die Nachrichtenlage checken und Meldungen schreiben. Es gibt: Unglücke, Remmidemmi bei der Bahn, Krisen und Krisengipfel. Nicht viel also. Auch bei den Promis des Nachbarsenders ist die Lage verhalten. Ein paar News sind von den Kollegen aber schon „zubereitet“ worden, die sich Bolski  schnell eben rüberzieht. Dann will er eine rauchen und sich kurz ausruhen. Der Vormittag ist schließlich noch lang. „Ein Glück, dass ich nicht mehr den Kalender schreiben muss“, sagt er und setzt die Kaffeetasse an. Kalenderschreiben ist nicht sein Ding und sowieso ist Bolski froh, wenn er was abgeben kann. Schließlich hat er eine Menge Arbeit von zuhause mitgebracht: Aktien checken, Konto prüfen, Miete überweisen, 3,2,1-  alles seins. Nach Minuten der Konzentration geht Bolski wieder die Pumpe: „Ich hör auf!“, sagt er nach jeder gerauchten Kippe, aber erst, „wenn der Stress vorbei ist.“ Denn Bolski steht ständig unter Strom, „was aber nur noch eine Frage der Zeit ist“.

Bolski lehnt sich zurück, legt die Hände hinter den Kopf und schnauft. Sekunden später ist es still um ihn geworden, versunken liest er Lektüre. Fast könnte man denken, er befinde sich nicht im Raum oder ist von einer der Raucherpausen nicht zurückgekehrt, doch – obwohl körperlich anwesend – wirkt er wie weggetreten. Sogar der mitgebrachte Entenbraten steht noch neben ihm, den Bolski normalerweise akkurat verstaut. Vermutlich hat er jetzt seinen Flow gefunden und arbeitet die Meldungen nacheinander ab: Frühlingswetter in der nächsten Woche, Münte meckert, Abwrackprämie alle, einer bei Ebay muckt rum. Auf einmal fängt er laut an zu lachen. Sein Lachen hallt durch den ganzen Raum und den halben Gang und befreit anderthalb Mitarbeiter vom redaktionellen Alltag. „Herrlich“, sagt er, lehnt sich zurück, legt die Hände hinter den Kopf und sagt wieder: „Herrlich!“.

Bolski ist, als er sich vom Meldungen schreiben kurz ausruhen wollte, auf www.klabusterbeerchen.de gestoßen und auf der Seite hängengeblieben.  Er ist fasziniert und freut sich, liest laut, lacht gleichzeitig und sagt: “ Nennt mich den Muschi-Mann“, feixt und legt beschützend die rechte Hand auf die linke Stelle, unter der es kein Halten mehr zu geben scheint. Doch dann steht Bolski abrupt auf: „Hilft ja alles nichts“, meint er „der Braten muss in die Röhre,  is’ ja plötzlich schon wieder Eins.“

Übrigens: Eine komplette Schicht mit Bolski dauert 8, gefühlte 3 Stunden. Nur so nebenbei…

berlin-ecke

Advertisements