Plastinierte Liebe

In Zeiten wie diesen, wo man an jeder Ecke blanke Möpse und nackte Beine sehen und betatschen kann, regen sich Leute auf, weil Plastinator Gunther von Hagen in seiner neuen Ausstellung ein Pärchen beim Sex zeigt, plastiniert versteht sich. Da wird gemosert, sich echauffiert und ganz tief Luft geholt, um noch mal von vorn zu wettern und dabei mit den Augen zu rollen. Von Hagen will das Paar bei seiner «Körperwelten»-Schau zeigen, die wohlgemerkt erst morgen eröffnet, aber schon heute für Heidenalarm sorgt.

Politiker, die sonst in der Mittagspause schon mal bei Bild Möpse gucken fordern, das umstrittene Paar aus der Ausstellung zu entfernen. „Diese Darbietung fällt nicht unter die vom Grundgesetz geschützte Kunst“, regt sich einer auf. Ach Gottchen, und nu‘? Man muss sich das Ganze doch nicht angucken, wenn man nicht will und jungen Leuten, die noch keine 16 Lenze sind, ist der Zugang sowieso nicht gestattet. Für alle anderen, die auf das Gemecker pfeifen: „Der schwebende Akt“ ist, neben vielen anderen Plastinaten, bis Ende des Sommers im Postbahnhof „ausgestellt“. Wer sich das anschauen will, aber zart besaitet ist, kann ja vorher einfach „Anatomie“ gucken.

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Bildquelle: op-online.de

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