Leon und die Aubergine

„Hat mir keiner gesagt, dass das ne Aubergine ist! Woher soll ich das wissen?“, fragt Leon, dessen Mutter gerade neu in unser Haus gezogen ist und im Hof mit einer Grillparty ihren Einstand feiert. Leon ist fünfzehn, geht in die achte Klasse und hat- Logo- schon ne Freundin. In seinem Zimmer hängen, wie bei jedem zweiten Teeni, Poster von Stars, der er gut findet, obwohl Leon sagt, dass sie nicht aus diesem Grund dort hängen, sondern weil „die Bräute einfach geil“ aussehen. Über dem Bett ein Bild von Britney Spears in knappen Höschen, über seinem Schreibtisch ein kleines, fast intimes von Dita von Teese, sodass man auf den ersten Blick meinen würde, es könnte seine Freundin sein.

Zurück zur Grillparty. Leon kennt keine Auberginen. Was ja erstmal nicht weiter tragisch ist, denn damals bei uns in der Zone wussten viele auch nicht, was eine Aubergine ist, geschweige denn, wie eine aussieht. Wir Ossis haben uns auch am Kopf gekratzt, als wir das erste Mal Litschis essen sollten. Auf dem Beistelltisch, neben dem Grill, liegen diverse Gemüsesorten, ich beginne, Leon ein bisschen abzufragen. „Mais, das ist Mais, Mann, weiß doch jeder!“, sagt er. Und das, was ist das? „Gurke, Mann, das ist Gurke!“ Nee, Leon, das ist nicht Gurke! „Das ist auf jeden Fall Gurke, Alter, was soll das sonst sein? Ich kenn’ doch Gurke!“ Zucchini, sage ich, aber Leon meint, dass er so ein komisches Wort noch nie gehört hat. In den Achtzigern gab es im Spreewald und bei uns im Kindergarten, manchmal Kürbiskompott, das kein Kind mochte. Leon kennt Kürbisse nur von Michael Meyers. Als ich ihn nach den Broccolis im Salat fragen will, hat er „die Schnauze voll“ und holt sich „erstmal’n Bier“. Oh! Aber Erdbeeren und Blaubeeren und „son Zeug“ kennt er, hat er gesagt.  Dafür eine Handvoll Rot.

Beerenphoto by Jamie Martinez
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