Unfreundlichkeit währt am längsten

Es ist  immer wieder gewöhnungsbedürftig, zu beobachten, wie sich Kellner  ihren Gästen gegenüber verhalten. Ist ein Gast forsch, ein wenig dreist und fast schon zu selbstbewusst; platzt in das Restaurant herein; setzt sich an einen Tisch, der bereits für einen anderen reserviert ist und gibt ein lautes und langes: „Herr Oooooober“ von sich, dies natürlich in Kombination mit einem gekonnten Fingerschnippen- ist der Kellner…? „S o f o r t zur Stelle!“

Mit Karte und Feuerzeug in der Hand mimt er den Bückling und grinst. Seine Aufmerksamkeit gilt den Fordernden. Er hofiert, hängt Jacken auf, schenkt Wein nach, informiert sich über den Zustand des Essens oder ob es den Herrschaften schmeckt. Andere Gäste, die freundlich und r e s e r v i e r t  (kleines Wortspiel) brav auf die Karte warten, nicht murren und nicht zetern, sind- wie es scheint- für Kellner „weniger wert“. Das sind sie deshalb, weil von ihnen höchstwahrscheinlich nur ein läppisches Trinkgeld, dafür aber ein großes Dankeschön kommt.  Umgekehrt wär‘ besser! Hingegen werden die Nörgelnden für die Betuchten gehalten und von denen wiederum ist ein ordentlicher Prozentsatz zu erhoffen. Aus diesem Grund  werden die Fingerschnipper schneller bedient, ihre Gläser sind gefüllter, man hört Sätze wie: „Selbstverständlich, mein Herr.“ oder „Kommt sofort, die Damen!“

Dem freundlichen Gast jedoch wird die Karte mit leicht angewidertem Gestus vor die Nase gepfeffert; es gibt weder eine Empfehlung, noch ein gebrubbeltes „Hat`s geschmeckt?“, denn es ist von den zurückhaltenden Leuten, was den Umsatz betrifft,  nicht viel zu erwarten.  Sie blockieren unnötig die Tische, trinken den billigen Hauswein und lesen 10 min die Karte, die- nebenbei erwähnt- oft nur 5 Gerichte hat- rauf und runter, um sich anschließend für eine preisgünstige Vorspeise, einen Apèratif oder den Kinderteller zu entscheiden. Der Kellner würde diese Spezies vermutlich am liebsten in ein Ikea-Restaurant schicken und bestimmt würden sie dort besser bedient. Man sollte als Gast kein Widerling sein, es kann  aber – wünscht man sich einen gelungenen Abend in schönem Ambiente – nicht schaden, wenn man sich dem Bedienpersonal gegenüber ein ganz kleines bisschen arschlochmäßig verhält. In diesem Sinne: Guten Appetit!

Mädchenitaliener

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