Abschied von Jackson: Vom „King of Pop“ zum „Kleinen Prinzen“

Gestern wurde der „King of Pop“ öffentlich verabschiedet und fast kein Sender hat verpasst, drüber zu berichten. Ich weiß nicht genau, was ich als unangenehmer empfunden habe: das Tamtam in L.A. oder die dussligen Kommentare der vermeintlichen Michael Jackson-Experten auf n-tv oder der Loreal frisierten „Leute heute“ – Moderatorin Karen Webb: „Wir sehen jetzt den Sarg; ja das ist sehr bewegend! Nun sehen wir, wie Brooke Schields die Treppe hochgeht und mit den Tränen kämpft. Herr [Experte], was war Ihr bewegendster Moment? Ist aus dem Idol Michael Jackson nun eine Legende geworden?“

Liebe Frau Webb, weder der genaue, – noch der ungefähre  Zeitpunkt, an dem Michael Jackson eine Legende geworden ist, interessiert keine Sau. Wenn Ihr Arbeitgeber – das ZDF – Sie wegen Blöd-Quatschens feuert, ein Tipp: An der Börse wird auch spekuliert. 

Es gab zwar Künstler auf der Trauerfeier, die im Verneigungsgestus immer wieder zum Sarg scharwenzelten, um Jackson noch einmal nahe zu sein, aber ansonsten konnte man deutlich spüren, dass der Tod des „King of Pop“, die Herzen der Leute bewegte und sie – vermutlich nur für einen Abend – näher zusammenrücken ließ. Schade, das Michaels guter Kumpel Uri Geller der Feier fernblieb, der hätte ihn vielleicht wieder lebendig machen – oder zumindest für einen letzten Blick den Sarg öffnen können: „Ob wir die Leiche sehen? Wahrscheinlich ist sie einbalsamiert„, mutmaßten ein paar Kommentatoren und vergaßen nicht zu erwähnen, dass Michael jetzt eventuell“ nicht mehr so gut aussieht und demzufolge nicht repräsentabel ist. Das Gehirn fehlt auch. “ 

Aber dieses Spektakel hatte auch viele tolle Momente. Einer war zweifelsohne, als der 12-jährige Shaheen Jafargholi auf die Bühne kletterte, ein Liedchen sang, sich anschließend brav von Michael verabschiedete und sagte, dass er ihn ganz doll lieb hat. Rührend. Und gleichzeitig supi, dass England, Casting Shows wie Britains Got Talent hat, in der es der junge Finalist mit der Wahnsinns-Stimme weit gebracht hat. Brooke Shilds war ebenfalls ein Lichtblick. Sie verglich Michael Jackson mit  Saint-Exupérys „Kleinem Prinzen“ und erzählte mit Tränen erstickter Stimme, dass Michael und sie schon als Kinder ganz dicke miteinander- und unheimlich viel gelacht haben. Fragt sich nur, in welcher blauen Lagune  Brooke abhing, als sich der gemobbte Freund nach Bahrain verpisst hat. Na macht ja nix, man hat sich trotzdem lieb.

Dann wurde noch ein bisschen geschwurbelt, geträllert und mit den Tränchen gekämpft und zum Schluss durfte Jacksons Tochter Paris vors Mikro und brach mit ihrer rührenden Kinderstimme und einem letzten Gruß an „Daddy“ endgültig die letzten Dämme. Eine ganze Welt konnte das Wasser nicht mehr halten und rotzte vor den heimischen Bildschirmen und Public Viewings in ihre Taschentücher und Strickjackenärmel. Jacksons Trauerfeier: Eine Mischung aus pompösem Spektakel und Medienzirkus, ein Tohuwabohu aus echten und falschen Tränen, Dollarnoten in hinter Sonnenbrillen versteckten Augen und kolossalem Fremdschämen. Man freut sich schon auf die vielen bis dato unveröffentlichten Songs des „King of Pop“. Ui, das wird ein Reibach!

Michael Jackson

Fotoquelle: (AP Photo/Mark J. Terrill, Pool)
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