Anfang von etwas

Wenn ich mich manchmal um- und zuhöre, was die Leute so reden, den lieben langen Tag, in den U-Bahnen, Geschäften, auf dem Amt, mit dem Nachbarn, im Treppenflur, am Schalter, hinterm Rücken, mit vorgehaltener Hand, dem Liebsten, der Mutter oder mit sich selbst, dann wünsche ich mir einen Recorder parat zu haben, der all das aufnimmt und wieder abspult, nur rückwärts.

Ich bin mir sicher, ja überzeugt sogar, es würde nicht anders klingen. Die meisten würden vermutlich den Unterschied nicht einmal bemerken und weil dem so ist, wäre auch das irgendwann normal und die verkehrten Stimmen der Leute verschmelzen zu einem riesigen Apparat, dessen Drähte mit der Zeit erhitzen und durchschmoren. Niemand wüsste sofort, wie er den Apparat reparieren sollte und so bliebe die Welt für einen Tag stumm, die Münder formen keine Worte, die Zungen blieben unbeweglich, die Stimmbänder baumeln  ungeölt nur vor sich hin.

Man würde einen Moment innehalten und lauschen und die Augen schließen, um der Stille besser zuzuhören. Einen Tag lang gäbe keiner zu nichts und niemandem auch nur den leisesten Kommentar und wenn der Apparat dann weiterläuft und wieder funktioniert, egal wie rum und man die Augen wieder öffnet, wäre das vielleicht ein neuer Anfang. Von etwas.

Moment                         (Foto-Quelle:Lolitas.se)
Advertisements