Das Bafög-Amt vergisst nicht(s)!

Der Schock kam in der Mittagspause: Wichtige Fristsache – Rückforderung des Staatsdarlehens durch das Bundesverwaltungsamt stand da in dem Anschreiben. Was heißt das bitte genau? Richtig! Der Staat will das, was er einst in Form von nettem Bafög geliehen hat, zurück. Und zwar vollständig, komplett und am liebsten nach der Devise von Hans Rosenthal: Dalli, dalli. Krösus‘ Kinder, die den Gesamtbetrag aufeinmal berappen können, bekommen sogar einen großzügigen Betrag erlassen. Bei 15000 Tacken „Bafög-Schulden“ beläuft sich die Summe der Zahlung zum Beispiel auf 9800 €uro.

Wenn es doch nicht so flott mit der Rückerstattung geht, lässt das Bundesverwaltungsamt sich nicht lumpen und gewährt Ratenzahlungen bis ins gefühlte Rentenalter.  Ein Antrag auf Aufschub der Zahlung ist ebenfalls möglich; generell sollte man aber wissen: Beim Bafög ist es wie bei Mord! Das verjährt nicht. Wer einst freudig einen Schwung in Schwindelerregende Höhe gemacht hat und den Höchstsatz kassierte, weil er arme Eltern hatte, wird sich heute das Quieken verkneifen. Denn wer mehr eingestrichen hat, muss meistens auch mehr zurückzahlen. Früher war man auf egoistische Weise ein bisschen froh, dass Vati als Invalide auf der Couch gesessen hat, weil das Amt die finanzschwachen Eltern natürlich in der Höhe der Zahlung berücksichtigt hat. Ohnehin war klar: Papi hätte einem fürs Studium sowieso keine müde Mark gegeben, also ist es doch besser, dass er sie selbst auch nicht hatte.

Viele ehemalige (Langzeit)-Studenten, die ihr Bafög zurückzahlen müssen, wünschen sich plötzlich, dass der einst so tolle Höchstsatz doch ein bisschen niedriger ausgefallen wäre. Aber man kann ja nicht alles im Leben haben. Und überhaupt: Die Pennerei während der Vorlesungen über Nietzsche und Konsorten ist doch nicht so gravierend gewesen, denn man hat ja zumindest einen Abschluss in der Tasche, mit dem einem fast die ganze Welt offensteht, wenn man nur immer wüsste, an welcher Stelle das genau wäre. Viele finden den Eingang nämlich nicht oder latschen dran vorbei. Es soll – wie mir gerade einfällt – aber auch Leute geben, die den Eingang gefunden haben und durchgewatschelt sind, ohne dass sie es bewusst wahrgenommen haben. Ich gehe davon aus, dass es sich in den besagten Fällen entweder um Geisteswissenschaftler, Depressive oder depressive Geisteswissenschaftler handeln könnte.

Bei all der Freude über den Uni-Abschluss sollte nicht vergessen werden, dass die Zeit um ein Vielfaches schneller vergeht, als  einem lieb ist. Denn während man gerade erst beginnt, alte Dürenmatt-Ordner auszusortieren, bewegt sich der Zeiger unaufhörlich weiter. Tick, Tick, Tick. 5 Jahre nach der Förderungshöchstdauer ist das Amt wieder da und das Studium allgegenwärtig, auch wenn einige die meiste Zeit davon vielleicht verpennt, versoffen und verfeiert haben. Und es können ja schließlich nicht alle BWL oder Jura oder so studieren. Hinter die Ohren schreiben: Wo immer du hingehst, was immer du tust: Sie finden dich. Das Bafög-Amt vergisst nicht(s)! In Anbetracht dessen wundere ich mich, dass es vor 5 Jahren keine einzige, schnoddrige Sachbearbeiterin in den heiligen, verstaubten Büros des Amtes gab, die das ganze System lahm gelegt hat oder abschmieren ließ, weil sie versehentlich ihre Fassbrause in den Zentralrechner gekippt hat. Dieses Glück blieb mir erspart. Ich meld’ mich jetzt erstmal beim Jauch an.

Bafög

Advertisements