„So ist das Leben“

Dienstagmorgen. Frühdienst. 5 Uhr aus der Koje klettern, in die Küche schlürfen, Kaffee kochen, Joghurt ins Gesicht, kalte Löffel auf die Lider, Morgentoilette, anziehen, abschließen, los. Auf dem Weg in die Redaktion sitze ich auf meinem eingerosteten DDR-Altherrenrad und komme kaum an die Pedalen, weil Birne den Sattel hochgestellt und so festgezogen hat, dass ich fast im Stehen fahren- und mich beherrschen muss, nicht zu versuchen, irgendwelche Kunststückchen zu machen, morgens Viertel vor Sechs auf der Schönhauser Allee.

Bergab pflastern links und rechts Schnapsleichen des White Trash und ein paar angefressene Burger meinen Weg und – Hach wie herrlich!- viele hängende Blumenkästen, die man am liebsten klauen würde, wenn sie nicht so dämlich festgemacht wären.

…Dann- plötzlich! – ist es vorbei mit dem lieblichen Radeln ins Büro: R a t t e n! Eine springt mir fast ans Rad, die zweite beisst sich beinahe an der Pedale fest, die dritte versperrt mir á la Steven King  den Weg, glotzt mich mit Röntgenblick an, grinst und pafft eine. Während ich auf Old Shatterhand mache, die gute H&M-Fransentasche wie ein Lasso durch die Luft wedele und dabei schmerzdurchpulst auf die Stange klatsche, lachen sich die Ratten kaputt.

Doch es ist nicht mehr weit bis in die Redaktion, hinterm Babylon verneigt sich bereits die Spitze des Fernsehturms vor mir, der glorreichen Rattenbezwingerin. Das Herz schlägt wieder in gleichmäßigen Abständen. Vor dem Verlag entpuppt sich ein buntes Plakat zum nächsten Brüller: Tittenalarm zu Wahlkampfzwecken… Sone morgendliche Radfahrt kann einen schon verdammt aufwühlen, denk ich noch, bevor ich schlimm husten muss.  Opa hat immer gesagt: „Ja, Kind, so ist das Leben!“

 

Wahlplakat CDU

Vera Lengsfeld packt die Möpse aus

 

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