Frauenzeitschriften: „Hurra wir sind schön blöd!“

Die Leute verblöden. Warum sie das tun, könnte Thema einer täglich neu geschriebenen wissenschaftlichen Abhandlung sein, wenn es nur nicht so schräääcklich monoton wäre, dass einem die Haare zu Berge stünden, man vom Kotzen Pickel bekäme oder einen der Schnelltod durch Atemstillstand, Augenschock und Herzattacke ereilen würde, alles gleichzeitig versteht sich. Man muss nicht groß und breit lamentieren, die Gründe für die Verblödung der Leute sind so vielseitig, dass man vom Erörtern einzelner vom einen ins andere und vom hundertsten ins tausendstel käme.

Nicht mehr erwähnenswert sind die furchtbaren Sendeformate im TV; das Thema ist längst durch und lockt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Das wissen wir und haben uns daran gewöhnt. Heutzutage muss man nur noch gähnen, wenn man versehentlich auf Sendern landet, auf denen – von barbusigen Mädels aus Erfurt – Städte mit drei Buchstaben gesucht werden. Diese Grazien haben mehr Ahnung von Tuten und Blasen, als von Geschichte. Trotzdem kennen sie Sätze wie: „Arbeit macht frei!“,  problematisch nur, dass sie nicht mehr wissen, woher.

Es wäre wahrlich Sisyphosarbeit alle Formate aufzuzählen, aber manchmal macht so was ja auch Spaß. Hat letztens jemand gesehen, wie Abdulah Maier das Rätsel um den wahren Jack the Ripper gelöst hat? Nicht? Schade! Es ist jedenfalls so, dass erst ein Moderator von Pro 7 mit Grinsekatzen-Gesicht kommen musste, um die Details ans Licht zu bringen, warum der böse, böse Jack damals im dunklen, gefährlichen London die Nutten abgemurkst hat. Da ist man als Zuschauer wirklich unheimlich froh, dass es gewiefte Schnüffler gibt, die Spuren nachgehen, die es vorher noch gar nicht gegeben hat. Supi, am besten gleich zur nächsten Hundestaffel anmelden.

Aber: Sich auf diesem Terrain auszukotzen ist nicht nötig, das haben andere um ein Vielfaches besser gemacht. Ich erinnere nur an den großen Reich-Ranicki. Es ist alles gesagt worden. Deshalb verlasse ich unsere schöne, multimediale Fernsehlandschaft und widme mich – Na?- genau: den Frauenzeitschriften. (Wer stöhnt, wird zum Lesen der aktuellen Out-Stil verdonnert!)

Die neue Out-Stil ist nämlich der Inbegriff der modernen Frauen- und Mode- Journalie. Wozu noch Journalisten für Reportagen und Interviews losschicken, wenn man die interessantesten Leute in den eigenen Reihen sitzen hat? Da ist man doch nicht blöd und berichtet über Lindsay Lohans Trendbewusstsein, wenn das der hauseigenen Redakteurin Susi Kawubke mindestens genauso groß ist! Also wird die Susi ein bisschen fotografiert und aufpoliert und auf Seite fünf geklatscht. Den Brüller liefert aber Chefredakteurin Mandy W.!

Weil die Frau W. immer so hart arbeitet, dabei aber trotzdem gut aussieht, hat sie es verdient, mal so richtig schön in Urlaub zu fahren. Nett und kollegial wie sie ist, natürlich mit Kamerateam! Das Kamerateam folgt der Chefin wie ein Hündchen und ist ergo stets: „Bei Fuß!“ Alle im Urlaub geschossenen Fotos (minimal retuschiert) kommen  in die nächste Ausgabe des Heftes, verpackt in einer knackigen Urlaubsreportage mit Tipps und Tricks von Frau Chefin herself. Ganz wichtig: die Cartier-Uhr!!!

Für schlappe 40 000 Öro sollte Frau sie unbedingt am Mann bzw. Arm haben, um zu wissen, wann es Zeit für einen „Rosè am weißen Strand ist“.

…Und natürlich muss man im Urlaub gut riechen! Hier empfiehlt die Chefin Chanel-Parfüm für 2000 Tacken. Es ist nämlich so, dass die Leserinnen ihrer Zeitschrift ein Heidengeld verdienen und zwar alle durch die Bank! Dazu tragen sie, wie es sich gehört, Markenklamotten und Trinity-Ringe. Nicht kleckern, klotzen heißt die Devise.

Frau Chefin ist ein Vorbild! Und diese Vorbildfunktion erfüllt sie, indem sie Sonnencreme von Lagerfeld empfiehlt, denn von der guten alten Florena kriegt man Augenkrebs, gell Frau Chefin? Sowieso ist Frau sich in der Redaktion ihrer Vorreiterrolle durchaus bewusst. Alle Redakteurinnen sehen- frei nach Culcha Candela – „einfach Hammer“ aus. Sie wachen morgens schon mit Lidstrich auf,  kennen die „Must Haves“ des Monats auswendig, tragen nie Taschen aus der letzten Saison und wissen sogar, ob Frau unten rum „Landebahn“ oder „aalglatt“ tragen sollte. Wildwuchs war gestern! Das ist unerotisch und weil Frauen heutzutage nicht nur sexy aussehen, sondern sich auch sexy fühlen, wissen sie genau, wo rasiert, epiliert, entfernt, gepolstert, geschnippelt, gefüllt, abgesaugt und rangeklebt wird. Klingt gemein? Nicht doch! Es gibt auch Seiten mit Niveau: Seite 10: Bindenwerbung, S. 11: Joop-Werbung, Probepackungen auf den Seiten 24, 36 und 45 und auf Seite 99 erfährt Frau, was sie tun muss, wenn sie mal Liebeskummer hat. Tipp Nr. 1: Nicht mehr an ihn denken! Schon klar.

Auch die ganz Anspruchsvollen kommen auf ihre Kosten: Auf Seite 0 wird verraten, dass 7/8 Hosen im kommenden Herbst ein „absolutes No-Go“ und Nerd-Brillen wieder „in“ sind, weil sie „unsere“ intellektuelle Seite betonen. Wahnsinn, denn jetzt- wo die dicken Brillen, Marke Kassenmodell wieder getragen werden dürfen, muss Frau nicht mehr zum Augenlasern latschen. Das alles und noch viel mehr gibts für drei Öro, billiger gehts nicht mehr. Also dann:  Danke liebe Frauenzeitschrift-Redakteurinnen, was täte Frau nur ohne euch?

Danke auch an Zimmermädchen für die Inspiration.

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