„Wir haben eine schöne Zeit gelebt in unserer DDR!“

Es darf gefeiert werden! Und es wird gefeiert! Ja, was denn überhaupt? Genau: 60 Jahre DDR! Jedenfalls nach Meinung von Margot Honecker, Erichs bessere Hälfte. Die Margot, die schon eine Weile in Chile wohnt, („weil da immer so schön warm is’!“) hat anlässlich des 60. Jahrestages ihrer heiß geliebten und in den Köpfen der Menschen noch existierenden DDR, eine klitzekleine Rede gehalten. Die Zone war – wenn überhaupt – zwar schon am 7. Oktober Geburtstagskind, aber in Chile gibt es weder Zeit, noch Raum und sowieso nimmt man es da mit den genauen Daten nicht immer so bierernst, wie hier im bösen (West)deutschland.

Da saß die Margot also mit ein paar Freunden vor der heimischen Schrankwand und soff, statt Pfeffi und Korn – vermutlich zuviel Rotwein. Trotzdem macht sie auf den ersten Blick gar nicht einen so senilen Eindruck, wie man geglaubt hätte, denn schließlich ist sie ja nun auch schon etliche Jährchen weg vom Fenster. Da sieht man gleich mal, was ein angenehmes Klima alles bewirken kann. Was Erichs Mausi am meisten ärgert ist, dass es momentan  keine „T a l k – Show, keinen Film und keine Nachrichten“ gibt, wo man nicht ihre liebe, sozialistische DDR „in Misskredit bringt“. Gemein, dass! Zumal 50% der Ostdeutschen  sagen, dass sie im Kapitalismus schlechter leben als damals, wo  die Mauer noch stand. …Dass dies zwar bei den meisten bis zum Hals gewesen ist, scheint in den Augen von Margot schier unmöglich.

Ach, was war das für eine tolle Zeit, als man noch ins FDGB- Ferienlager an die Ostsee fahren durfte, frei und fröhlich am FKK- Strand rumlümmelte und noch nicht wusste, dass die Stasi Akte über einen führte, die fast genauso dick war, wie die Mauer selbst. Denn: Ordnung muss sein!

Und sowieso: Die DDR ist niemals tot zu kriegen! Wer das nicht glauben will, muss der Frau Honecker nur aufmerksam lauschen! 40 Jahre DDR haben ihre Spuren hinterlassen, auch in Deutschland, sagt sie. Bei diesem Satz wundert man sich zwar und fragt sich: Ja, wo denn sonst, wenn nicht zuerst im eigenen Land? Aber egal, die Margot weiß Bescheid.

Zum Schluss der Festrede gibts noch einen filmreifen Kamera-Schwenk ins Publikum, ein bisschen Gesang und natürlich ganz viel Applaus. Bravo, darauf einen Toast!

 

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