„Unser aller Gewissen“

Es dauert nicht mehr lange, da wird Spendenmoderator Wolfram Kohns von RTL wieder mit Hundewelpenblick in die Kameras gucken und die Zuschauer vor den heimischen Flachbildschirmen bitten, mal genauer zu prüfen, ob sie nicht die eine oder andere Mark für Hilfebedürftige und wohltätige Zwecke übrig haben. Schließlich gibt es eine Menge Armut in der Welt und weil die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, macht es – gerade zur besinnlichen Weihnachtszeit – Sinn, dem Bürger ein bisschen Geld abzuknöpfen und an sein Gewissen zu appellieren. Die Weihnachtsgans schmeckt ja auch gleich viel besser, wenn man 10 Mark für arme Waisen in Dritte Welt Länder gespendet hat.

Damit der Zuschauer aber nicht ununterbrochen Kohns Sankt Martin-Gesicht vor Augen hat, gibt’s zwischendurch ganz viel Musik von Jeanette Biedermann, die natürlich ohne Gage singt und Gespräche mit Henri Maske, dem die armen Kinder auch immer ganz leid tun. Ich will hier gar nicht gegen Leute wettern, die sich engagieren, der Herr Kohns macht das ja schon seit Jahren und hier wird bestimmt auch alles seine Ordnung haben. Aber!

Wenn man liest, wie viele dubiose Spendenorganisationen es gibt, die das ganze Jahr über Kohle für die ärmsten der Armen einheimsen und sie dann für Schampus und Klunkern ausgeben, ist es nicht verwunderlich, dass der Deutsche seinen Geldbeutel nur noch unter Vorbehalt zückt und erstmal sichergehen will, dass die Asche auch dort ankommt, wo man es ihm versprochen hat. Denn oft verschwinden die Moneten auf dem Weg ins afrikanische Waisenhaus auf ein Schweizer Nummernkonto. So geschehen gerade in Frankfurt.

Da war die schöne kongolesische Prinzessin Odette eine bekannte Spendensammlerin für gute Zwecke. Das war sie solange, bis rauskam, dass das Geld einer Spenden-Gala spurlos verschwunden war und nie dort ankam, wo es ursprünglich hinsollte. Zweifel gibt es auch, ob die Prinzessin tatsächlich Unesco-Botschafterin ist, wie sie behauptet. Denn irgendeiner vom ZDF hat sich nämlich die Mühe gemacht und bei der Unesco angerufen, wo man die Krönchenträgerin komischerweise überhaupt nicht kennt. Muss ja erstmal nichts heißen, vielleicht haben die sich ja verguckt, denkt der Gutgläubige.

Aber spätestens wenn Hilfsorganisationen, die mit der Prinzessin zusammenarbeiten, nichts von der gesammelten Kohle sehen und ihr drei Jahre hinterher rennen müssen, sollte man stutzig werden! Ein genauerer Blick auf das Jetset-Leben der Honorarkonsulin hätte sensibilisieren müssen. Denn Leute, die vorne rum auf die Tränendrüse drücken und an „unser aller Gewissen“ appellieren,  sich dann aber hinter der Bühne Schampus für 200 € hinter die Binde kippen, können nicht so koscher sein, wie dem gelackmeierten Spender suggeriert werden soll.

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