Schauenlesen

Die Leute schwärmen immer so von Neuseeland. Dort seien die Temperaturen so angenehm und das Klima, die Menschen, das Meer, die Kultur, einfach alles. Ich habe in Neuseeland mal für einige Zeit gelebt und könnte jetzt einen schönen, dicken, fetten Artikel über das Land und die Maoris schreiben, aber seit ich Wimmers Buch gelesen habe, weiß ich, dass die Leute lieber gucken, als lesen. Er nennt das Ganze Schauenlesen und beschreibt das so:

„Ich lese, ich schaue, aber ich schaue viel mehr, als ich lese. Wir müssen uns also um ein Schauen bemühen, das vom Lesen allerhöchstens flankiert wird, und auf ein Lesen, das immer auf ein Schauen zielt, ja eigentlich ein Schauen ist…“

Deshalb heute, statt eines fetten Artikels, nur ein paar Neuseeland-Bilder. Den meisten Lesern ist bestimmt schon dieser Text zuviel! Hülfe. Die Leute haben einfach keine Zeit mehr. Man muss nur mal beobachten, in welch’ rasanter Geschwindigkeit sie sich die Fritten an der Straßenbahnhaltestelle einverleiben. Das sagt eigentlich schon alles. Da bleibt manchmal nicht mal mehr ’ne Sekunde für den Ketchup.

Neuseeland ist übrigens toll, aber auch dort läuft vieles nur auf der Überholspur.

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