An das Finanzamt Berlin-Pankow

Liebes Finanzamt

vielen Dank für deinen lieben Brief, den ich heute Morgen erhalten habe. Ich habe mich sehr darüber gefreut und möchte mich an dieser Stelle entschuldigen, dass ich mich zwei Wochen nicht gemeldet habe. Das war nämlich so: Ich habe viel gearbeitet, so viel, dass ich abends meist sehr sehr müde und zu nichts mehr zu gebrauchen war. Dann habe ich mich einfach vor die Glotze gesetzt, ausgeatmet, ein paar eingeweckte Kirschen gegessen und Gott einen guten Mann sein lassen. Ich hoffe, du kannst das verstehen.

Auch möchte ich an dieser Stelle vorsichtig anmerken, dass du dich ja selber das ganze letzte Jahr nicht bei mir gemeldet hast. Du kommst nur, wenn du was willst. Dann stehst du auf der Matte und willst unterhalten und bedient werden. Ich mache das ja, ich gebe gern und du weißt, ich bin großzügig, aber jetzt so rumzunörgeln und erbost zu sein, mir sogar zu drohen, zu mahnen, auf mein mageres Konto zu schielen, NEIN- liebes Finanzamt, das finde ich nicht gut. Das nenne ich schlechte Kinderstube. Ein unschönes Verhalten ist das, ein ganz ganz unschönes!

Ich habe versucht, mit dir zu reden, aber die, die für meinen Buchstaben verantwortlich sind, waren in der Mittagspause. Wenn das mit dir so weitergeht und du deine Benimmregeln nicht mal ein bisschen aufpolierst, ist es mit unserer Freundschaft ein für alle Male vorbei. Ist das klar, mein Finanzamt, m e i n Freundchen? Ich kann nämlich auch anders, das traust du mir nicht zu, aber es ist so. Ich habe gute Kontakte und wenn du dich nicht zügelst, hetzte ich dir sämtliche Zumwinkels des Landes auf den Hals und rufe meine Kumpels in Liechtenstein an. …Und jetzt geh mir aus den Augen. Sofort!!!

Finanzamt ab

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