Silikon-Uzi fürs Handtäschchen

Ich kann den Winter nicht leiden! Ich mag weder Schnee, noch Kälte, weder raue Lippen, noch spröde Hände, am wenigsten mag ich, wenn es durch das morsche Beton der Außenwand wie Hulle zieht, während  auf der anderen Seite mein Schlafzimmer ist, in dem ich pennen will. Ich weiß offen gestanden nicht, ob es überhaupt morsches Beton gibt, ist  mir auch wurscht. Jedenfalls zieht es da! Trotz Jalousie. Also bin ich zu Obi gelatscht, habe Tesamoll-Dichtungsbänder gekauft, weil der Obi-Mann diese wärmstens (kleines Wortspiel) empfohlen hat und dichtete damit erstmal die Schlafzimmerfenster ab. „Das sollte eigentlich reichen!“, so mein Berater.  

Freudig legte ich mich daraufhin zurück ins Bett und widmete mich der Lektüre von Simone de Beauvoir- in der steht, dass alle Menschen sterblich sind- als es erneut pfiff, wie eisiger Wind unter Türritzen. Ich bastelte. Ich hämmerte. Ich besorgte mir eine Silikon-Spritzpistole und versiegelte damit jedes Loch, aus dem kalte Luft strömte. Du willst mich frösteln lassen und alle machen, du blödes Loch? Du willst in meinem Schlafzimmer den Macker spielen?  Mit mir nicht!, war mein Kampf-Slogan, bevor ich jede poröse Öffnung, die mir unter die Augen kam wegpustete, wie einen Feind, der mich um meine neue Silikon-Uzi bringen will.

Mittlerweile bin ich Spezialist im Heimhandwerken. Vor meinen Fenstern kleben Pappe- und Styroporplatten. Darüber hängen drei Decken und zwei schräg angenagelte Bretter, damit die Decken besser halten. In der Mitte habe ich fachmännisch einen kleinen Haken angebracht, an dem die Silikon-Wumme hängt, damit ich sie sofort griffbereit habe. Jetzt warte ich. Ich liege auf der Lauer und bin ganz Ohr und sollte es in meinem Schlafzimmer auch nur noch einziges Mal aus dem hintersten Loch pfeifen oder ziehen, werde ich solange suchen, bis ich es finde. …Und dann: Gnade ihm Gott!

 (Ob es diese Silikon-Knarren auch in praktischer Handtaschengröße gibt? Für unterwegs kann das doch ganz nützlich sein, oder?)

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