Bewundernswerte Frauen

Es gibt Frauen, bei denen ist es immer picco bello aufgeräumt. Wenn sie frühstücken, wischen sie hinterher den Tisch ab und waschen sofort das schmutzige Geschirr. Diese Frauen haben auch sehr saubere, fusselfreie Teppiche, staubfreie Schränke und stets gerade hängende Bilderrahmen an den Wänden. Und natürlich tragen sie zwei zueinander gehörende Socken, weil sie die nach der Wäsche ordentlich sortieren und fachgerecht einräumen. Diese Frauen sind bewundernswert! Sie lächeln sich morgens im Spiegel an und wenn sie an ihrem Haaransatz sehen, dass die Läuse-Chaussee durchkommt, machen sie prompt einen Termin beim Friseur. Sie wirken ausgeglichen und erholt und verbreiten stets das Gefühl gerade aus dem Urlaub zurück zu sein. Bei mir hingegen ist immer Ramba Zamba. Das einzige Gefühl, das ich zu verbreiten scheine, ist Chaos und blankes Entsetzen. Meine Familie, die im schönen Spreewald zu Hause ist, meinte letztens, dass sie sich immer sehr sehr freue, wenn ich zu Besuch komme, aber umso mehr aufatme, wenn ich wieder fahre. Sagt man das? Das sagt man doch nicht! Man darf das vielleicht denken, aber laut sagen? Meine Familie findet: Ja. Da sieht man mal, wie weit es schon gekommen ist. Dieses Unorganisierte begleitet mich, wie ein lästiger Heuschnupfen. Ich könnte niemals jemandes Sekretärin sein! Die von mir verwaltete Buchhaltung würde ihn vermutlich binnen eines Jahres zur Insolvenz zwingen. Mit dem Alter mache ich aber Fortschritte. Es gibt Tage, da finde ich zueinander passende Socken, ohne gesucht zu haben. Ich finde, das ist ein guter Anfang.

Advertisements