Das Tatwerkzeug: Verenas Küchenmesser

Entschuldigung, ich sage schon mal gleich vorweg: Excusez moi, werte Leserschaft: Gleich wird es böse, na ja ein bisschen böse vielleicht. Im Sommer wurde mir mein Muttirad geklaut! Ich habe drüber berichtet. Für diejenigen, die das noch nicht wussten: Mein himmelblaues Muttirad wurde das letzte Mal an einem herrlichen Sonntag-Abend in einem leicht versifften Hinterhof gesehen, bevor es vermutlich erst in einem ollen Kellerverschlag umgespritzt – und dann in die Ukraine abtransportiert wurde. Ich hatte natürlich sofort die kiffenden Nachbarn im Visier, konnte denen aber nichts beweisen. Aber schon damals wusste ich, dass die sich ja die Kohle für ihre Pflanzen irgendwie verdienen mussten und das war definitiv nicht mit Arbeit! Egal, jedenfalls war das Fahrrad weg und mit ihm schwand meine Hoffnung, es jemals lebend wiederzusehen. Also ich, nicht das Fahrrad.

Meine Nachbarn: Sie streiten sich sehr sehr sehr oft, schreien dabei gern den halben Hof zusammen, stechen sich manchmal ein bisschen ab und lieben sich dann wieder innig im heimischen Wohnzimmer bei offenem Fenster. Ich mag die ja, die Nachbarn! Sie bringen Schwung in die sonst so dröge Hausgemeinschaft. Manchmal borgen wir uns gegenseitig Dinge: Eier, mal ’ne Limo oder etwas Zucker. Der Frau habe ich kürzlich mein neues Küchenmesser angeblich für Geflügel geliehen, weil ihres sich beim letzten Zustechen irgendwie verbogen haben muss und das jetzt stumpf sei, hat sie gesagt. Ich habe ihr angeboten, dass ich das Messer ja mal mit zu Mr. Minute nehmen kann; die schärfen die da für billig Geld, was sie aber dankend abgelehnt hat.

So und jetzt kommt der Knaller, Leute: Passt auf! Da komme ich gestern Abend vom Spätdienst nach Hause, latsche zum Briefkasten und höre – während ich den 4. Liebesbrief in dieser Woche vom Polizeipräsidenten öffne – wie die Nachbarn sich wieder gegenseitig  abstechen (mit meinem Küchenmesser wohlgemerkt!) und während die Alte brüllt und der Typ sie Sch.lampe nennt und so, tickt sie vollkommen aus und schreit: „Du fieses Schwein solltest dich schämen! Du schreckst vor nichts zurück, vor gar nichts, du faules Kifferschweeeeeeeeeeeein! Nicht mal davor, Verenas Rad zu klauen!“ Uff. Das hat gesessen. Und da stand ich: Nachts, viertel vor Eins, mit der Post in den Händen im dunkeln Treppenflur und einem Ohr an der Wohnungstüre der irren Schreihälse. Was macht man in einer solchen Situation? Man wird ja wohl schlecht klingeln können, so in der Art: „Ich hab‘ gehört, was du gerade gesagt hast. Das war der  Beweis auf einem Silbertablett. Dein Macker hat also mein Rad geklaut! Aha, Freundchen! Von mir aus kannst du, wenn du ihm in Eurer heißen Rangelei in die Wade stichst, die Klinge noch mal rumdrehen. Wenn das Messer dabei kaputtgeht ist nicht so schlimm. Ist ja schließlich meins!“

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