Vaters Verständnis von Mode

Vater meinte heute, als ich in Leggings, T-Shirt, Strickjacke und Turnschuhen vor ihm rumflitzte, dass diese Mode beschissen sei. Heute kaufe man nur noch so billigen China-Scheiß hat er gesagt, alles ohne Qualität. Es dürfe nichts kosten und würde ohnehin nach einem Jahr ausrangiert und weggepfeffert.

Früher, als er jung war, sei das noch anders gewesen. Da hätte es in der Zone ja nichts weiter gegeben, also hätte man kreativ sein müssen und machte aus Scheiße Gold. Der eine bestellte goldene Cowboy-Gürtelschnallen bei Tante Hilde aus dem Westen, der andere bastelte sie sich selbst. Mein Vater hatte eine einzige Blue-Jeans, hat er gesagt, eine coole schwarze Nappa-Lederweste und immer astrein geweißte Hemden an. Der Haarschnitt hätte auch viel rausgerissen, genauso der Bart.

Eine Zeit lang, so mein Vater, hätte er nur einen einzigen Wintermantel besessen. Er war damit zufrieden. Es war ein guter Mantel und er hätte nicht gewusst, sagt er, warum er sich einen anderen hätte kaufen sollen. Der Mantel war modisch, warm und hatte einen austauschbaren Kragen. Es käme ja auch immer darauf an, wie man die Sachen trägt, so seine Meinung. Ich glaube, ich sollte meinen Vater öfter mal mit zu H&M schleppen und gehe jetzt erstmal auf dem Boden stöbern, ob ich irgendwo die alte Gürtelschnalle finde. Vater sagt, die müsste eigentlich noch irgendwo sein.

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