Wie eine Ingredienz die fehlt

Wir Deutschen verfallen ins Fußballfieber. Wir hängen uns kleine Fähnchen an die Außenspiegel unserer Autos, manche haben eine direkt am Fenster, über dem Bett oder auf dem Balkon.  Wir stellen unsere Fernseher und Sofas auf den heimischen Rasen, an den Bordstein mitten auf den Weg und lehnen uns, während eines Spiels, an die Schulter des Liebsten. Nachbarn kommen hinzu, bleiben stehen, wechseln ein paar Worte und bringen neues Bier, andere schauen nur aus der Entfernung und ziehen die Vorhänge zu.

Flips  und Saures werden gegessen; es wird gelacht, gehofft, geschrieen, bebettelt und gebangt und dann, für eine Minute, darf man sich wieder ausruhen und nur Beobachter, nicht Trainer, nicht Co-Moderator oder zwölfter Spieler sein. Dann lächelt man seine Freundin an, die ein bisschen gelangweilt und genervt scheint und streichelt – wie zur Wiedergutmachung – ihren Arm, dessen Härchen in der Abendkühle abstehen wie Igelstacheln.

Aber manchmal, wenn keiner hinsieht, scheint es, als würde auf Gedeih und Verderb versucht werden, das Gefühl von  2006 zurückzuholen, um es einzufangen und festzuhalten und daraus einen großen, leckeren Sommersalat zu zaubern. Es ist wie eine Ingredienz die fehlt, aber zu finden ist, wenn man nur ordentlich sucht. Bis dahin wird einfach nur ein bisschen mehr gesoffen und viermal pro Woche Silvester simuliert. Man tut eben was man kann und tüftelt indes öffentlich an einer neuen Zutat.  

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