Umlenkung auf Ersatzziele

Der Shrink würde es Sublimierung nennen: Die Dinge die man anstellt, wenn man eigentlich keine Zeit hat. Wenn man weiß, dass man in Eile- und das Projekt in den letzten Zügen ist und man es sich im Grunde überhaupt nicht leisten kann, in alten e-mails zu lesen, auf youtube rumzuhängen oder Fotos zu sortieren. Oma in ihrer Sorben-Tracht einscannen? Ja, wollte ich schon längst erledigt haben, warum also nicht jetzt, warum nicht heute, hier und gleich? Die Tüte mit dem Schuhputzzeug sortieren? Selbstverständlich! Muss sein! Dringend.

…Und sowieso muss ich unbedingt noch heute meine Kontoauszüge sortieren, den Staubsaugerbeutel auswechseln, Haarnadeln und M&M’s aus der Sofaritze pulen, zwischen Buchseiten nach vergessenen Zetteln und gepressten Blüten wühlen, den Telefonhörer mal wieder saubermachen, durch Glasscherben gucken, Spinnweben entfernen, den Herd mal wieder mit Backofenspray einsprühen und die Küche putzen bis sie aussieht wie geleckt, im Spiegel Grimassen üben, alte T-Shirts aussortieren und bei Ebay einstellen, frisch gestartete Ebay-Auktionen unverblümt wieder absagen und löschen und die alten T-Shirts wieder einräumen, zurück in den Schrank, da, wo sie hingehören; das x-te Mal Mona anrufen und fragen, wie es ihr ergangen ist – in den letzten zehn Minuten und vielleicht, aber nur vielleicht widme ich mich zwischendurch wieder den Dingen, die ich wirklich zu erledigen habe. Sollte aber in den nächsten Tagen einer auf die Idee kommen, bei mir zu klingeln, gehe ich bestimmt nicht ran. Hab’ ich mir jedenfalls vorgenommen.  Und jetzt: Nur noch einmal fragen, wie es Mona geht und dann… nur noch einmal, ganz schnell, wirklich ganz schnell und gar nicht gründlich, ein paar Schränke auswischen…

 

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