…was vom Tage übrigbleibt

Manchmal denke ich über die Menschen nach, die um mich sind: Meine Mutter, meinen Vater, Freunde, Kollegen. Die einen sind mir vertraut und ich kenne die Farbe ihrer Unterbuchse, die anderen stupse ich nur an, verbringe einen gemeinsamen Arbeitstag mit ihnen, lache mit ihnen, weiß nach zwei Stunden wie viele Leberflecke sie auf dem linken Schulterblatt tragen, dass sie heimlich Roger Whittaker hören oder Melonen mögen. Manche legen bei der Hitze die Füße auf den Tisch, lehnen sich im Schweiße ihres Angesichts tief in den Sessel zurück und berichten, während sie Pizza essen, liebenswürdig, dass sie morgens noch joggen waren und durchgehalten haben. Der eine erzählt vom Leben, der andere von einer verkommenen Liebe. Zwischendurch spült man mit Wasser nach. Im Fernsehen läuft MTV und Teletext.

Manchmal denke ich über die Menschen nach, die um mich sind: Ich halt‘ sie fest und lass’ sie los, ich kenne sie genau und eigentlich gar nicht. Ich schau‘ sie mir an und ahne wie sie sein könnten. Vertraute Bewegungen, vertraute Stimmen und dazwischen eine Geste, in der ich mich wohlfühle oder ein Satz, der sie hässlich macht. Sie sind jeden Tag da und jeden Tag teilt man ein Lächeln mit ihnen, ein Gefühl, eine Gehässigkeit, ein Lied, zwei Sendungen oder fünf Stunden Ignoranz.

…und manchmal geht man am Ende eines Tages nach Hause und fragt sich, was vom Tage übrigbleibt.

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