Zu viert im Fiat oder: FKK mit Frau Liebnitz

Wir haben Sommer. Endlich. Und was macht man im Sommer? Man packt die Badehose ein und fährt an den See. Es sollte an den Liebnitzsee gehen, da war man schon sooooo lange nicht mehr. Eine Ewigkeit. Mindestens zehn Monate. Zu viert im Fiat düsten wir los. Zuerst verpassten wir die richtige Auf-, dann die richtige Ausfahrt. Während Kjeld blökte, dass ihm langsam heiß wird und er tierischen Brand hätte, klebte Birne auf dem Stadtplan fest und meinte, der sei noch aus der DDR …und dass er nichts dafür könne, da wären die Beschreibungen halt noch anders gewesen, damals, als der Erich noch in Wandlitz rumgelungert hat. Da hätte man eben nicht alle tollen Freizeitmöglichkeiten eingezeichnet. Also haben wir ein paar Einheimische gefragt und waren nach ein paar falsch angegebenen Wegbeschreibungen nach einer Stunde da. Das war toll!

Wir suchten uns ein lauschiges Plätzchen und atmeten drei Mal ein und viermal aus, redeten über die lieblichen Baggerseen in Leuthen und über die coolen Typen, die mit ihren LKW-Schwimm-Reifen auf dem Wasser trieben und dabei immer aussahen wie diese Posterboys aus Bravo-Girl, die man sich als Teenie übers Bett gehängt hat und die den Alten wahnsinnig gemacht haben. Damals, in der Zone, hat man für so ein Traumboy-Poster aus dem Westen schon mal gut und gern Fuffzig Mark, vier Luftaufkleber und einen Wham-Sticker hingeblättert! Jawoll. Wir versanken jedenfalls gerade so schön in alten Geschichten und laberten über den FKK-Strand zuhause und dass wir da mal den Hinze, unseren Musiklehrer, gesehen- und von der anderen Seite beobachtet haben, als zwei ältere Ladys in unseren abgeschirmten, lauschigen Privatbereich kamen, sich just neben uns auf die Decke setzten und auszogen. Nackig. Alles! Während sich eine der Damen ungeniert vor uns nach ihrem Handtuch bückte und Kjeld ihr ohne Vorwarnung, wie er es nannte, „in den Flansch sehen musste“, klatschte die Hühnerbrust von seinem Burger. Ich vermutete erst, die Ladys hätten sich verlaufen und hielten uns für ihre Mannschaft oder so. Also fragte ich sie: „Entschuldigung, das ist unsere Decke, kann es sein, dass Sie sich in der Bucht geirrt haben?“

Daraufhin zischte mich die andere nackte Dame an und meinte, der See gehöre ja wohl allen. Ich hielt besser die Schnauze, drehte mich um, scharwenzelte ins Nass und schwamm ein paar Runden. Aus der Entfernung sah ich, dass es sich Frau Wandlitz und Frau Liebnitz mittlerweile auf unserer Decke gemütlich gemacht- und sich Kjeld, Birne und Anne auf den Steg, nach nebenan, verpisst hatten. Während wir später die Beine ins Wasser baumeln ließen, saßen die Nackten noch immer auf unserer Decke, sahen misstrauisch zu uns rüber und machten ein paar Verschwörungstheoretische Gesten. Wir beschlossen daraufhin, ihnen die Decke zu schenken, nicht, dass es später noch heißt, wir hätten sie ihnen geklaut und im wahrsten Sinne des Wortes unterm nackten Arsch weggerissen.

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