Fuck Twitter!

oder: Was ich mit Wayne Rooney gemeinsam habe

Eines Tages kam einer zu mir und hat gesagt, dass ich mehr Netzwerken solle: „Was du bist nicht bei Twitter?“, hat er entsetzt gefragt und gemeint, dass es nun aber allerhöchste Zeit sei. Also bin ich da mal gucken gegangen und habe mich ein bisschen umgeschaut, ein paar hübsche grüne Wiesen gesehen und ebenso ein Haufen Mist. Ich hab’ dann auch mal eins zwei Sätze getwittert und Tweets in die Welt gejagt, die die Welt nicht braucht. Der eine hat daraufhin gesagt, das muss man s o machen, der andere gab sachdienliche Hinweise, die der Sache nicht dienten und mir, bei Lichte betrachtet, äußerst dubios vorkamen.

„Sie stöhnt und barmt, weil sie nur vierzig Follower hat und nicht 400.000“, werden nun einige sagen. Und darauf sage ich: Ich stöhne nicht und ich bin nicht neidisch auf all’ jene, die erfolgreich bei Twitter zugange sind. Ganz ehrlich? Ich bin an Twitter gescheitert, ich bin ein jämmerlicher Twitter-Loser, ein Twitter-Jämmerling, ich bin der Antitwitterer!

Ja, in bin an meinem eigenen Desinteresse an Twitter und dem Desinteresse von Twitter an mir gescheitert. Das muss man sich mal vorstellen, ist das nicht furchtbar? Ich ringe ein bisschen mit den Tränen. An diesem Punkt kommt die englische Fußballmannschaft ins Spiel: Denn auch die englische Fußballmannschaft ist gescheitert! Wie ich. Mann, haben die Deutschen denen in Südafrika eine Klatsche verpasst! Wenn ich nur dran denke, hab’ ich sofort wieder den Soßengeschmack des Gerichts im Mund, das ich mir während des Spiels eingepfiffen habe. Das war sowas von intensiv!

…Und während die Spieler, unten auf dem Spielfeld versagt haben, saß oben, im Publikum Mick Jagger höchst persönlich, um seine Jungs zu unterstützen. Und jetzt kommts, Leute: Die tolle, von mir hoch geschätzte und tief bewunderte Schriftstellerin Sibylle Berg ist ein Follower von mir! (noch!) Muss man sich da nicht Mühe geben? Darf man sich da so blamieren? Sollte man sich auf dem Twitter-Spielfeld nicht ein bisschen am Schlüppergummi reißen und den Ball ins Tor oder das Wort zum Klingen bringen? Da hat man schon so eine Prominenz in den eigenen Reihen und muss sich trotzdem eingestehen, dass es nicht das Geringste bewirkt hat! Man hat sich vor den Augen der Eminenz nicht mit Rum bekleckert, obwohl die Absichten nur die besten waren.

Ich ruf‘ jetzt Wayne Rooney an und frage ihn, ob er nicht Lust hat, mit mir ’ne Selbsthilfegruppe aufzumachen. Ich schlage vor, dass man den Gruppentreffpunkt gleich in die nächste Bar verlegt und wenn Wayne und ich genug gebechert haben und schon total zugelötet sind, sag’ ich lallend: „Fuck Twitter“ und Wayne sagt zum Barmann, der uns nichts mehr geben will: „Fuck you, Motherfucker.“ Das wird gut. Und  ehrlich. Irgendwie muss man das Scheitern ja verarbeiten!

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