Freundinnen

Die einen werden Mütter, die anderen Ehefrauen. Manche ziehen fort und melden sich einmal im Jahr. Wenn man sich dann mit ihnen auf ein Eis trifft oder eine Wurst oder so, ist das wie früher, so als wohnten sie noch nebenan, nur, dass man sie eben nicht mehr jeden Tag singen – oder staubsaugen hört. Manche haben die Richtung gewechselt, andere Karriere gemacht, eine ist freiwillig in die Klapse gegangen, eine andere nach Kanada. Neulich war eine zu Besuch und meinte, sie wolle berühmt werden, wisse zwar noch nicht wie, arbeite aber an einem Konzept. Ich habe ihr einen Vogel gezeigt und davon abgeraten, weil die bösen Schnüffel-Journalisten garantiert rauskriegen würden, dass sie früher geklaut hat. Das käme dann in den Enthüllungsblättern ganz oben und sie wäre ganz schnell ganz unten. …Und dann gibt es diejenigen, die findet man immer ein bisschen zu anstrengend, schwierig, zu besonders, zu kritisch und manchmal, wenn man vom Alltag im Inneren schwächelt, zögert man ein Treffen bis zum Wochenende hinaus. Wenn man sich dann aber mit ihnen auf ein Tischtennismatch trifft und neugierig auf sie wartet, ist die Freude jedes Mal so groß, dass man eigentlich gar nicht versteht, wieso man sich vorher bloß so angestellt – und lullig hatte.

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