Bis ins kleinste Detail

Ich wünschte, wir wären im Sommer weggefahren, hätten die Klamotten eingepackt, wären in die Schlappen gesprungen und ans Meer gedüst. Wir hätten auf dem Weg picknicken, im Stau stehen – oder eine Panne haben können und vielleicht wäre der Campingplatz schon überfüllt, und wir hätten uns damit begnügen müssen, in den Schlafsack zu klettern und in den Dünen zu übernachten, zwanzig Meter vom Strand entfernt. An vielen Abenden vor der Reise, die nicht stattfand, haben wir uns die Routen ausgedruckt und sind vor Aufregung hellwach gewesen. Dann haben wir in der Küche gesessen, – Tee getrunken und sind jeden Abschnitt noch einmal genau durchgegangen. Mittendrin ist uns eingefallen, dass wir lieber nach Spanien, an den Gardasee oder nur in den Schwarzwald fahren wollen.

Wir haben genau überlegt, wen wir wo besuchen könnten, wo es die besten Museen gibt und wie es wohl wäre, in Amsterdam ein Hausboot zu klauen und damit durch die Grachten zu schippern, eine ganze Woche lang. Unbemerkt. Wir wären immer auf der Hut gewesen, nicht erwischt zu werden und hätten das Boot nachts blau angemalt und umbenannt. In unseren Kajüten wäre es schwül und stickig, aber das wäre uns egal, weil wir die meiste Zeit an Deck geangelt hätten.

Wir haben Pläne geschmiedet, du hast Notizen gemacht und ich das Wichtigste rot angestrichen. Alles war perfekt und bis ins kleinste Detail ausgeklügelt, so gut, dass man sich – jetzt, wo der Herbst beginnt, man länger im Bett liegt und über den Rest des Sommers nachdenkt – wundert, es nur bis zum nächsten Regal von Marco Polo geschafft  zu haben.

(Text, September 2009)

Advertisements