Dass, was du brauchst…

Manchmal wünschte ich, dass ich mich klonen lassen könnte.

Dabei habe ich noch nie darüber nachgedacht, wie viele Klone ich gern von mir hätte, aber jetzt, wo ich mir das so überlege, würde ich bei dem Klon-Hersteller auf dem Papier schon ganz gern bei der Zahl 3 ein Häkchen machen, vorsichtig, mit Bleistift. Ich wünsche mir einen Klon, der all die Dinge übernimmt, die unangenehm sind: Zum Amt gehen, Überstunden schieben, sich vom Zahnarzt mit dem Bohrer im Mund rumfummeln lassen. Ich bräuchte einen Klon, der sich immer dann automatisch ein- und mich ausstellt, wenn ich Schmerzen habe, einen der das für mich übernimmt, der bei Rot gerade stehenbleibt und bei Grün aufrecht weitergeht, obwohl der Nerv im Halswirbel eingeklemmt ist. Ich hätte gern einen Klon, der die Leute für mich erträgt, die ich nicht ertrage und der für mich freundlich ist, wenn ich es nicht mehr kann, einen, der sich für mich entschuldigt, der den Kopf hinhält, wenn ich ihn schon in den Sand gesteckt habe und der stets optimistisch und kämpferisch ist. Ich wünsche mir einen Klon mit einem Pferdemagen, einen der meine Freunde immer gut unterhält, einen der mir selbst die Stirn bietet, einen der mich zudeckt und meine schlechten Träume übernimmt, der mit mir ein Bierchen auf den Durst pichelt und morgens für mich aufsteht, wenn der Kater mich niederstreckt, und am meisten wünsche ich mir einen Klon, der mir die blöden Ideen genauso schnell austreibt wie sie gekommen sind, der mir sagt: „Dass, was du brauchst, ist kein Klon, sondern ein paar hinter die Löffel.“ Und trotzdem:

 Manchmal wünschte ich, dass ich mich klonen lassen könnte.

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