Stehenbleiben

Ach, diese Zeit! Da wünscht man sich, sie möge sich doch ein bisschen beeilen und schneller vergehen, besonders dann, wenn man sich auf etwas freut und kaum erwarten kann, bis es soweit ist, bis man beispielsweise endlich die Hand halten darf, von der man sich nachts, wenn man nicht schlafen kann, vorstellt, wie sie sich anfühlt und wie er wohl werden wird, der Moment, in dem feststeht, dass man diese Hand nicht einfach nur zur Begrüßung schüttelt, aber dann nicht mehr berührt.

Auf einmal ist da diese Ahnung, ja die Gewissheit, dass es, wenn man sich in einer der nächsten Nächte in dieser kleinen Seitenstraße vor dem Café verabschiedet, nicht beim Händeschütteln bleiben wird. Und irgendwie findet man die Vorstellung darüber ein bisschen kitschig und man sagt sich, was soll schon dabei sein, wenn er meine Hand nimmt, ich hab’ das erlebt, dieses Gefühl, ich kenn das! Ich weiß, wie das ist, ich bin kein Kind mehr. Und dann will man versuchen, nicht daran zu denken, sich abzulenken, über das Leben zu sinnieren, das Wetter, die Jahreszeit oder den Schrank, den man noch aufräumen will.

Man zwingt sich, es drauf ankommen zu lassen und abzuwarten und wenn es dann soweit ist, und man genau weiß, dass das der Moment ist, der Moment, in dem er deine Hand nimmt, sie festhält und mit seinem Zeigefinger zwischen deine Finger fährt, deine Handflächen und die Linien, Narben und Punkte betrachtet wie ein Kind ein Bilderbuch, dann zuckst du und kicherst verlegen deine Unsicherheit weg wie einen dummen Fauxpas und du tust, als sei das alles völlig gewöhnlich, während du dir heimlich wünscht, dass die Zeit genau in diesem Moment einfach nichts anderes macht, als stehenzubleiben.

Advertisements