Keine Heizung an

„Mach die verschissene Tür hinter dir zu, wenn du gehst!“, habe ich dir noch hinterher gerufen, so als würde das dem Ärger und der Wut noch ein bisschen mehr Ausdruck verleihen, als würde mich das in deinen Augen härter aussehen lassen, entschlossener und der Situation überlegen. Du hast gesagt, du brauchst diese Scheiße nicht und ich hab’ so getan, als wüsste ich nicht, was du damit meinst, als würdest du nur wieder übertreiben und als sei das Geld an allem Schuld, das verdammte, verfluchte Geld und unser Leben in diesem Kreislauf, von dem du jeden Tag aufs Neue gesagt hast, dass du ihn durchbrechen willst, du wüsstest nur noch nicht genau wie. Dann haben wir einen Film angeschaut oder sind spazieren gegangen und du hast mich beim Schaukeln angestoßen und manchmal haben wir uns im Mauerpark auf die Wiese gesetzt und Blätter skelettiert und während du Pläne geschmiedet hast, habe ich in der Erde Zigarrenstummel vergraben, mir den Nagellack von den Fingern gekratzt und dazwischen, wie zum Zeichen, dass ich grundsätzlich alles gut finde was du sagst, genickt und die Fussel von deiner Schulter gezupft.

Dann sind wir nach Hause gegangen, du hast Musik gemacht und wir haben ein bisschen dazu getanzt, gelacht, Worte auf einen Zettel geschrieben und Losungen,  geschwiegen und uns anschließend auf den Dielen geliebt, so lange bis du wieder vom Ändern gesprochen hast. Alles müsse besser werden, hasst du gesagt, besser und größer. Man müsse nur noch mehr anpacken, mehr leisten, besser schreiben, man kann das doch, man weiß doch, dass man auch gut ist und das schaffen kann, wenn man nur richtig will. Du seiest doch keiner, den die kriegen, den die schnappen würden und unterjochen könnten, du bist doch schlauer als die, und viel gerissener. Und mit den Monaten war nichts mehr gut genug, war alles zu klein, zu gewöhnlich und du hast dich fast über Nacht entschlossen, allein zu tanzen, allein in Parks zu gehen, die Landkarte allein zu markieren und allein weiterzuschreiben. Ich hab’ dich angeschrieen und dir gedroht und du hast mich geschüttelt, so als würde ich die ganze Zeit über pennen,  als wüsste ich nicht, was mit uns passiert. Und die Nachbarn hielten wochenlang Maulaffen feil oder kicherten, wenn sie uns sahen. Manchmal hat man sie hinter den Gardinen stehen- und lauschen gesehen. Wir ignorieren es, aber da war es trotzdem. Dann wurde es kalt und sie schlossen ihre Fenster und du die Tür. 

Falls du wiederkommst, hier ist keine Heizung an und auch der Takt ist immer noch derselbe.

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