Innenblicke

Manche blättern in Zeitschriften oder starren, in Gedanken versunken, vor sich hin oder an die Decke. Draußen haben die Leute die Kapuzen hochgeklappt, damit ihnen das Wasser, das von den Rinnen tropft, nicht in den Nacken fällt. Jeder macht heute größere Schritte, springt über die Pfützen oder geht außen rum. Zwei sind auf dem Restschnee ausgerutscht, ein dritter schaut neugierig in ein Ladenfenster und sieht dabei aus, als würde er von einer großen Modelleisenbahn träumen. In einem anderen Fenster berät eine Frau einen Mann. Er sieht unschlüssig aus und blickt halbängstlich in den Spiegel, während die Frau versucht, ihm einen akkuraten Kopfgeldjägerhaarschnitt zu verpassen. Ein paar Straßen weiter hängt ein Kleid auf Halde. Indes schüttelt man oben drüber die Bettlaken aus und flutet die Räume mit Frischluft. Es wird gearbeitet, gelächelt, gelesen, gekauft und gesoffen und während der Penner in der Schönhauser Allee die letzten Reste eines Döners aus dem Mülleimer fischt und gierig verputzt, knickt zwanzig Meter weiter eine Frau mit dem Absatz um und klatscht in eine Pfütze. Die Zeiger stehen auf Viertel nach Sechs.

Canon EOS 7D

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