Matchbox-Autos und Luftschlösser

Heute lag ein Brief im Briefkasten. Er hatte ein quadratisches Format und schnupperte nach Parfüm. Ich dachte erst, da hätte sich einer im Kasten geirrt, aber nein, dem war ganz und gar nicht so, der Brief war durchaus für mich. Darin eine Einladung zu einer Hochzeit. Die Hochzeit findet in einem richtigen Schloss statt und schon die Einladung sah verdammt teuer aus, sehr sehr teuer. Mit Glitzer und Schleifchen und Pi und Pa und Po. In der Karte stand, was sich das Brautpaar wünscht und was nicht, was man so für Robe tragen sollte, um in das Schloss überhaupt erstmal reinzukommen, und dass man sich für Fragen bezüglich der Geschenke doch bitte an das Veranstaltungskomitee wenden solle.

Meine Fresse, dachte ich und musste plötzlich an das alte Familienfoto von 1972 denken, als Vater mit ein paar Leuten am ollen kaputten Gartenzaun auf meine Mutter, die Braut, wartete. Der hatte damals nicht mal vernünftige Hosen, sondern nur sone Hochwasserdinger, aber irgendwie war das allen vollkommen schnurz. Heiraten: ich weiß nich’, warum das so ein ewiger Kleinmädchentraum ist. Wenn i c h träumte, dann von Matchbox-Autos, einem coolen Garfield-Westover oder einer Doppelfedertasche mit Neonfaserstiften und richtigem West-Tintenkiller. Schlösser kamen in meinen Träumen nie vor, höchstens solche, die man knacken musste, damit der Traum-Matchie anspringt.

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