„Aussteigen, mitkommen, überweisen!“

Ja, ich gebe  es zu, ich bin selber schuld. Das, was ich gemacht habe, macht man nicht! Schlimmer noch, das was ich gemacht habe, ist mindestens genauso schlimm wie Lutscher in der Kaufhalle klauen oder vom Nachbarn ungefragt das Fahrrad borgen. Das, was ich gemacht habe, ist kein Kavaliersdelikt und wenn ich das öfter machen würde, wäre es sogar schon richtig kriminell und sie könnten mir dafür 10 Jahre Knast aufbrummen, na ja, vielleicht auch nur 10 Tage. Ich kenne mich da nicht so aus.

Ich bin schwarz gefahren! Ja, ich bin ein böser, böser Schwarzfahrer, schlimmer noch, ich bin ein Schwarzfahrer, der erwischt- und von vier Kontrollettis eindrucksvoll zur Strecke gebracht wurde. Aber nicht genug dieser Peinlichkeit, muss ich jetzt auch noch mein Fressbrett aufreißen und mich über die Art und Weise, wie die Kontrollettis, die ja für die Bahn arbeiten, und die ich ja gerade beschissen habe, aufregen. Sollte ich nicht einsichtig sein, mich entschuldigen und hübsch brav ein Ticket ziehen? Ja, sollte ich. Aber was mache ich? Beginne aus dem großen Teich der Ausreden zu schöpfen: Dass vor mir am Schalter sechs Leute standen, dass die Oma, die gerade dran war, ihr ganzes Kleingeld vor dem Bahnangestellten ausgeschüttet- und der sich zweimal verzählt hat, dass meine Monatskarte genau einen Tag abgelaufen- und ich spät dran war und just in diesem Moment die schöne, gelbe Bahn eintrudelte und mich mitnahm.

…Und da saß ich und freute mich, dass sie überhaupt fuhr, und über der ganzen Freude und so, vergaß ich prompt, dass eigentlich mein Herz klopfen- und ich auf der Lauer liegen sollte. Aber nein, es klopfte nichts, jedenfalls nicht schneller als sonst. Gemächlich richtete ich mich in meiner Kriminalität ein und las sogar Nachrichten. Ja, ich fühlte mich pudelwohl, so als halber Verbrecher! Und dann: BAMM!!! Waren sie da, die Kontrollettis, so richtige Schwergewichtler waren das, Rasierklingenschmuggler mit Stiernacken und eisblauen Augen. Sie schnappten mich, als ich gerade folgende Meldung las: „Ein Fischer hat in Nordaustralien ein vier Meter langes Salzwasser-Krokodil niedergekämpft. Er kam mit Bisswunden, ausgerenkten Gelenken und einem gebrochenen Bein ins Krankenhaus.“

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