Haltet den Dieb!

Ha, glaubt mans? Da will ich hübsch beschwingt in mein Auto steigen, der untergehenden Abendsonne entgegen düsen und für eine spiegelglatte Sicht die Windschutzsscheibe sauber machen, sind die Wischerblätter plötzlich verschwunden, alle beide, geklaut! Klick, klack, weg warnse! Ich frag‘ mich jetzt: Wer bitteschön klaut denn Scheibenwischer? Ich meine, das waren ja noch nicht mal besondere, sondern ganz einfache, die lediglich ihren Zweck erfüllten. Sie wischten halt, gell? …Und während ich ohne Scheibenwischer und mit vollgeschlierter Windschutzscheibe ins Abendrot fuhr, stellte ich mir den Dieb vor, wie er auf meiner Motorhaube rumrobbt, denn mein Wagen – so ein halber Amischlitten – der ist so groß, da kommt man von der Seite gar nicht ran, an die Scheibenwischer. Man ist förmlich gezwungen auf die Motorhaube zu kriechen! Oh, wenn ich ihn doch nur auf frischer Tat er w i s c h t hätte! Ich hätte mir aus ihm zwei neue Wischerblätter gemacht, soviel ist klar. Ich will nicht wissen, was morgen fehlt! Ob ich mich diese Nacht besser auf die Lauer legen sollte? Der Gedanke, mir aus dem Dieb zwei neue Wischerblätter zu machen, beflügelt mich irgendwie mehr als das Abendrot… ich kanns nicht anders sagen.

Verena Maria Dittrich, 111 Gründe, Berlin zu lieben

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